Canada ~ Westen 1998

Canada Rocky Mountains mit einem Ausflug nach Seatle und den Olypic National Park. Unterwegs haben wir viele heiße Quellen besucht, sind auf dem Gletscher spazieren gegangen und haben uns den Camp Ground mit Wapiti Hirschen und ihrem Harem geteilt. Eine der besten Jugendherbergen der Welt ist in Banff, kein 5* Hotel, aber auch für verwöhnte Reisende geeignet.

11.09.1998 – 09.10.1998

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Inhalt

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Reiseroute und Fotoalbum

Reiseroute

Reiseroute

Fotoalbum

Fotoalbum

Freitag 11.09.1998 – Anreise

Air Canada streikt voraussichtlich über unseren gebuchten Abflugtermin hinaus, somit hat unser Reisebüro eine echte Aufgabe. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt es Sabine (= Reisebüro) uns beide auf einem anderen Flug unterzubringen.

Wir starten nun 24 h früher als geplant, was unsere Packerei drastisch beschleunigt und uns vom Büro direkt zum Flughafen führt. Von dem Charterer Air Trans haben wir noch nie etwas gehört, aber er hebt planmäßig ab.

Wir sitzen eng gedrängt, es handelt sich um eine DC10 – Käfighaltung eben. Es gibt auch keine Ausweichsitze, der Flieger ist definitiv voll. Außer uns gibt es wahrscheinlich noch ein paar Air Canada-Umbucher. Die Versorgung ist recht spartanisch; der Videobeamer kaputt. So können wir unbesorgt eine Mütze voll Schlaf nehmen. Nach ca. 1/3 der Strecke können wir Grönland mit seinem Packeis betrachten. So klar haben wir es noch nie sehen können.

Beim Zwischenstop in Edmonton leert sich der Flieger schon ordentlich, so gestaltet sich wenigstens die letzte Flugstunde komfortabler. Kurz vor 18:00 landen wir müde im sonnigen Vancouver. Unser Gepäck finden wir in rekordverdächtiger Zeit auf dem Gepäckband. Den Mietwagen können wir auch schon einen Tag früher übernehmen. So steht unserer Tour nichts mehr im Wege.

Wir können uns noch dunkel an Vancouver aus einem früheren Urlaub erinnern, so daß die Orientierung leichter fällt. Ein Motel haben wir bald aufgetan, somit plumpsen wir postwendend in die Horizontale.

Samstag 12.09.1998 – Seattle

Um 6:30 gibt’s Kaffee ans Bett. Punkt 7:00 erscheinen wir zum Frühstück. Bereits 1 h später befinden wir uns auf Einkaufstour. Bald haben wir Ausrüster und Safeway hinter uns gebracht und verlassen Vancouver in südlicher Richtung mit Ziel Seattle. Die Grenze zu den US ist schwer überwacht auf dem Highway. Durch mehrere Kameras kämpft man sich bis zum Grenz-Office vor. Unser Obst dürfen wir behalten, wir haben es allerdings weder offen dekoriert noch angegeben. Zur Emigration müssen wir jedoch an den Schalter ins Grenzgebäude. Dort heißt’s dann Formular ausfüllen und $ 6 Eintritt pro Person abdrücken, dann lassen sie uns ins gelobte Land. Bis Seattle liegen noch ca. 190 km bzw. 110 mi vor uns, das klingt doch gleich viel näher. Auf der Interstate ist nicht viel los, erst kurz vor Seattle füllt es sich. In Seattle führt die Straße direkt am REI (= Ausrüster) vorbei, dies nutzen wir direkt für ein weiteres Shopping, um unsere Kundenaufträge zu erfüllen.

In Downtown finden wir unweit der Waterfront ein old-fashioned Hotel. Das Auto darf in die Garage gegenüber. In der Stadt geht’s nun zu Fuß weiter. Seattle begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel, warmen Temperaturen und klarem Blick auf den Mount Rainier. In kurzen Hosen treibt es uns zuerst ans Wasser. Die Waterfront ist ganz schön belebt. Wir bewegen uns in Richtung Seattle-Center – konkret zum Space Needle, das Wahrzeichen Seattles. Der Turm ist 180 m hoch und durch Fahrstühle erschlossen. Doch vor der Auffahrt steht das Warten in mehreren Schlangen – zuerst an der Kasse, dann am Fahrstuhl. Es scheinen wohl 2-3 Touris dieselbe Idee gehabt zu haben. Aber schließlich ist es geschafft! Die umlaufende Plattform bietet einen phantastischen Blick auf Seattle, Mount Rainier und Cascades sowie Pudget Sound. Die Monorail, ein Schienenfahrzeug auf einer Betonschiene, bringt uns wieder nach Downtown. Den Sundowner nehmen wir wiederum an der Waterfront.

Zum Abendessen raffen wir uns erst gegen 20:30 auf. „The Fisherman“ hat allerdings lecker für uns gekocht, King Salmon und Kings Crab. Genudelt und müde fallen wir anschließend ins Bett.

Sonntag 13.09.1998 – Seattle ff.

Wir schlafen schon etwas länger. Erst kurz nach 8:00 hält es uns nicht mehr im Bett. Nach kräftigem Frühstück starten wir unsere Seattle-Tour. Wir beginnen auf historischen Spuren. Das Klondike-Gold-Rush-Museum und die Underground-Tour zeigen Seattle um 1900 – 1907.

Seattle war anno Dunnemals der Starthafen der Glücksritter des Goldrausches 1898, deren Hinterlassenschaften man entlang ihrer Route gen Norden betrachten kann. Aber dies war bereits Inhalt eines früheren Urlaubs.

1889 zerstörte ein riesiger Brand weite Teile der Stadt. Während des Wiederaufbaus beschloß man, das Straßenniveau um 3 m anzuheben. Es wurde jedoch nicht einfach alles aufgefüllt, da zu teuer, sondern die Häuser behielten ihre Mauern und Stockwerke, sie wurden lediglich höher aufgestockt. Für die Straßen wurden wiederum rechts und links Mauern hochgezogen und dazwischen Schutt, Müll und was man sonst noch so fand aufgefüllt. Dies bildete das Fundament der Straßen. Unter den Bürgersteigen befindet sich – Nichts! Die Underground Tour verläuft nun auf altem Straßenniveau. Alles in allem eine witzige Angelegenheit. Im Merchants Café, einem der ältesten Cafés der Stadt, stärken wir uns anschließend für unsere nächsten Abenteuer.

Der International Destrict gibt an einem Sonntag natürlich nicht gewaltig viel her, da die meisten Geschäfte geschlossen sind und der sonntägliche Tagesablauf sich offensichtlich deutlich vom Alltag unterscheidet. Der asiatische Einschlag ist dennoch unverkennbar. Mit der Waterfront Trolley, einer alten Straßenbahn, fahren wir, wen verwundert’s, die Waterfront entlang bis zur Endstation Edward Park. Der Edward Park verläuft in der Verlängerung der Waterfront einige km am Wasser entlang. Eine ideale Strecke für Skater. An seinem anderen Ende suchen wir uns den Weg zur Hauptstraße, um dort einen Bus aufzutreiben, der uns wieder zurück nach Downtown fährt.

Als nächstes besuchen wir das IMAX, in dem der Film über den Ausbruch des Mount Saint Helen 1980 eindrucksvoll gezeigt wird. Der Film beeindruckt uns sehr, zeigt er doch das unglaubliche Naturschauspiel in Live-Aufnahmen und 180°-Format. Das benachbarte Aquarium ist definitiv auch einen Besuch wert. Die Bassins sind phantasievoll eingerichtet und zeigen uns vielerlei Neues, wie z.B. eine schier endlose Vielfalt an Seesternen. Der Höhepunkt stellt aber sicherlich die Fütterung der Seeotter dar. Diese possierlichen Tierchen veranstalten eh schon ihre Show für sich, aber mit frischem Krebs auf dem Bauch sind sie schier unschlagbar. Das Aquarium züchtet darüber hinaus Lachse, die sie auf ihre Wanderschaft ins Meer entlassen. Diese gehorchen dann Jahre später ihrem Instinkt und kehren zwecks Vermehrung an den Ort ihrer Geburt zurück. Eigens zu diesem Zweck wurde rund um das Aquarium die sogenannte Lachsleiter errichtet. Leider springt momentan kein einer Lachs.

Am späten Nachmittag finden wir zurück ins Hotel, um uns für die Essenszeit herauszuputzen. Das Alaska Seafeast bietet uns jedenfalls Crabs und Muscheln satt an. Äußerst lecker!

Montag 14.09.1998 – unterwegs …

Morgens um 7:00 ist die Welt noch in Ordnung und Jan steht senkrecht im Bett. Da bleibt mir keine andere Alternative als ebenfalls aufzustehen. Der Versuch in Seattle noch irgend etwas erstehen zu wollen, kann zwischen 7:00 und 8:00 morgens nur fehlschlagen. Deshalb vertagen wir unsere Resteinkäufe notgedrungen auf später.

Immerhin finden wir die Fähre, die uns nach Bremerton auf Olympic Peninsula übersetzt. Wir werden wiederum mit strahlend blauem Himmel und Mount Rainier-Blick verwöhnt. Die Fährenüberfahrt dauert ca. 30 Minuten, dann haben wir wieder festen Boden unter den Rädern. Unser nächstes Ziel heißt Port Angeles, der Haupteingang des Olympic NP. Kurioserweise fahren wir just auf der Hood Bridge (so oder ähnlich heißt die Brücke jedenfalls) durch dicken fetten Nebel. Am Festland klart es dann sofort wieder auf. Kurz vor Port Angeles vervollständigen wir in einem Einkaufszentrum unser Equipment. Nun steht dem Campen nichts mehr entgegen.

Ob des blauen Himmels entscheiden wir uns noch am Nachmittag zu Hurricane Ridge hochzufahren. Der Trail zum Hurricane Hill läßt uns den Ausblick in alle Richtungen genießen. Gegen 16:00 steigen wir wieder ins Auto. Erst am Sole Duc Campground bauen wir unser Zelt auf und werfen das Feuer an. Steak und Lachs warten darauf gegrillt zu werden. Mit den letzten Lichtstrahlen lassen wir es uns gut schmecken. Der Abend am Lagerfeuer hat durchaus meditative Aspekte während des Beobachtens der Feuerzungen.

Dienstag 15.09.1998 – Olympic NP

Gegen 6:00 stören unsere Nachbarn die Ruhe nachhaltig – durch Holzhacken. Aber kurz nach 7:00 drängt es uns eh aus dem Schlafsack. Jan wendet sich seiner Lieblingsbeschäftigung zu – anfeuern. Es ist noch recht frisch zu so früher Stunde. Der blaue Himmel verspricht jedoch wieder einen schönen warmen Tag. Unsere Kaffeemaschine american style darf nun auch wieder zeigen, was sie kann, nur mit der Kaffeemehlmenge müssen wir noch üben.

Die Squirrels sind ebenfalls bereits wach, sie versuchen uns das Frühstück streitig zu machen. Eines startet durch bis auf den gedeckten Tisch und ist nur durch Bäckchenpfeifen in die Flucht zu schlagen. Bei den Nachbarn hat es mehr Glück, die teilen ihr Frühstück großmütig. Hoffentlich kommen sie dann auch im Winter wieder, um die Hörnchen weiterzufüttern!

Unsere Tagestour beginnen wir ganz in der Nähe des Campgrounds. Ab Landsend führt ein Trail zum Sol Duc Wasserfall durch dichten Wald aus Douglasien und Hemlock-Tannen. Der Wasserfall läßt sich von einer Brücke hübsch bestaunen. Zurück am Auto fahren wir zurück auf die US101, die entlang bzw. durch den NP verläuft, gen Lake Crescent. Bei Storm King wartet der nächste Wasserfall – Marymere Falls – auf uns. Auf schmalem Pfad durch hochaufgeschossenen alten Baumbestand, über schmale Baumbrücken und zuletzt einem ordentlichen Anstieg führt der offizielle Trail. Also nichts für den klassischen amerikanischen oder japanischen Touri. Aus ca. 30m Höhe ergießt sich ein Wasserstrahl in die Tiefe, im Frühjahr gibt sich der Wasserfall sicher auch spektakulärer. Zurück an der Storm King Lodge gönnen wir uns einen Mittagssnack bei phantastischem Seeblick.

Am Nachmittag nehmen wir die letzte Stichstraße ins Elwha-Valley bis hin zum Lake Mills unter die Räder. Wir erhaschen einen tollen Blick über den See und seine Staumauer, während Jan in Sachen Feuerholz den Wald durchforstet nach toten Zweigen.

Zum krönenden Tagesabschluß lassen wir uns in die warmen Becken der Sol Duc Hotsprings gleiten. Das schmeichelt den Gliedern, außerdem werden wir, nebenbei bemerkt, ordentlich gesäubert. Anschließend gibt’s Abendbrot, bevor wir den Abend am Lagerfeuer – meditative Session inklusive – ausklingen lassen.

Mittwoch 16.09.1998 – Olympic NP ff.

Der Tag der Kontraste steht auf dem Programm. Gegen 9:30 haben wir unser Gerümpel zusammengepackt und räumen wir unsere Campsite. Die US101 führt in großem Westbogen um den Olympic NP herum. Bis zur Stichstraße zum Hoh Rainforest folgen wir ihr. Dann tauchen wir ein in den Regenwald. Obwohl es in diesem Sommer relativ wenig Regen gab, wuchert alles unvermindert weiter. Die Bäume sind dick bemoost. Die Sonnenstrahlen suchen ihren Weg durch das dichte Blätterdach. Selbst bei hellstem Sonnenschein wird es am Boden nicht richtig hell.

Die Baumriesen stehen dicht an dicht, selbst im toten umgefallenen Zustand dienen sie dem Nachwuchs als Wurzel- und Nährstoffquelle. So entstanden bereits einige natürliche Baum-alleen. Wir folgen den Rundtrails ausgehend vom Visitorcenter, so erhalten wir einen guten Überblick.

Anschließend zieht es uns weiter an die Küste. Am Ruby Beach beeindrucken Felsformationen und Tidepools voller Muscheln. Aufsteigende Nebelschwaden rufen eine ganz eigene Stimmung hervor. Entlang der Küste hat sich eine Unmenge von Treibholz angesammelt, das jedoch nur bei Ebbe lustig ist. Bei Flut ist es eher als tödliche Waffe einzustufen. Weiter geht’s über den Big Cedar Tree, eine ganz nett anzuschauende und umfänglich Zeder, zum Beach #4. Die nahe gelegene Felsformation beherbergt unglaublich prächtige Tidepools voller Seeanemonen und Seesternen in vielen Farben. Wir sind völlig fasziniert von der Vielfalt. Aber der Hunger treibt uns weiter. An der Kelaloch Lodge gönnen wir uns gegen 15:30 ein verspätetes Mittagessen mit Meerblick. Auf der Weiterfahrt nehmen wir noch den Beach Access #1 wahr. Die Bäume am Küstenstreifen weisen überproportional häufig dicke Beulen wie Abszesse auf, die auf das Salzwasser und Viren zurückgeführt werden. Der Strand ist sandig und flach. Strandläufer können sich hier in jeder Richtung km-weit wohl fühlen.

Wir verlassen Olympic NP in südlicher Richtung mit Ziel Tacoma respektive Mount Rainier NP. Da wir keine ordentliche US-Straßenkarte besitzen, hoffen wir auf gute Beschilderung! Wir kommen ganz gut zurecht. Kurz hinter Olympia ist sogar der Abzweig zum Mt. Rainier, der einen Teil des Weges bereits begleitet, ausgeschildert. Da wir die gesamte Strecke heute sowieso nicht schaffen, suchen wir uns ein Motel für die Nacht. Das Motel hat eine Suite für uns vorbereitet und verfügt über eine Laundry, so daß wir Komfort mit Hausarbeit kombinieren können. Irgendeine Messe sorgt dafür, daß alle kostengünstigen Zimmer ausgebucht sind.

Donnerstag 17.09.1998 – Mount Rainier NP

Der Wecker wirft uns um 8:30 aus den Federn. Bis wir alles gepackt, gefrühstückt und unsere Vorräte aufgefrischt haben, schlägt die Uhr 10:30. Nun fahren wir weiter zum Mt. Rainier NP. Wir folgen brav der Beschilderung, obwohl wir den Eindruck haben, zu einem anderen Eingang gelotst zu werden als geplant. An einer Tankstelle erstehen wir dann doch eine Straßenkarte. Nun wissen wir wenigstens, wo’s langgeht.

Wir betreten den NP durch den Nordost-Eingang „White-River-Entrance“. Der Berg verhüllt vornehm seine Kappe, lediglich seine sternförmig vom Gipfel verlaufenden Gletscherzungen bietet er dem geneigten Betrachter dar. Am Sunrise Visitor Center parken wir das Auto. Nach einem kurzen Imbiß aus Bordmitteln machen wir uns auf die Socken. Den Burroughs Mountain Trail bis zum Second Burroughs hin und den Sunrise Rim Trail wieder zurück (7 mi). Ab und zu taucht ein Sonnenstrahl die Gletscherzungen in sein Licht und nährt die Hoffnung, den Mt. Rainier doch noch in seiner Gänze bestaunen zu können. Leider Fehlanzeige, dafür säumt eine Herde Mountain Goats unseren Weg.

Am White River Campground schlagen wir unser Zelt auf – leider beginnt es gleichzeitig zu tropfen. Wir lassen uns trotzdem nicht beirren. Zwischen den Schauern gelingt es uns, den Lachs zu grillen und zu verspeisen. Er schmeckt vorzüglich. Es gibt Lachs satt, so daß wir zu guter Letzt kapitulieren. Beim Einkaufen waren die Augen wohl doch größer als unsere Mägen. Am wärmenden Lagerfeuer kann man es wirklich gut aushalten – Meditationsstunde inklusive.

Freitag 18.09.1998 – Mount Rainier NP ff.

Mir scheint es, als ob es die ganze Nacht durchregnete. Jan behauptet jedoch, Regenpausen bemerkt zu haben. Wie auch immer, als wir uns aus dem Schlafsack ins Freie pellen, regnet es heftig. An Frühstück im Freien ist wirklich nicht zu denken, so verlegen wir die Tafel ins Auto.

Gegen 9:30 befinden wir uns wieder auf der Piste. Über dem White River strahlt eine blaue Wolke! Doch kaum ein paar Meter weiter haben wir die Regenwolken eingeholt. Am Grove of the Patriarch stylen wir uns regenfest, um die Baumriesen auf kurzem Trail gebührend bewundern zu können. Die Bäume sind bis zu 1.000 Jahre alt und haben so manche Unbill, wie Stürme, Feuer u.ä., überdauert.

30 km weiter fordert der Box Canyon unsere Aufmerksamkeit. Der Canyon ist ungeheuer schmal und bis zu 60 m tief. Der kurze Trail über eine kleine Holzbrücke bietet einen phantastischen und idyllischen Einblick. Der Stevens Canyon dagegen versinkt vollständig im Nebel, in den Seen spiegelt sich nichts – am wenigstens der Berg. Außerdem verhüllt er sich heute vollständig und das Wasser ist eh viel zu unruhig.

Am Paradise sieht es wettertechnisch mal recht passabel aus, so daß wir uns auf einen Trail wagen. Der führt steil bergan und verwöhnt uns mit Viechern. Es beginnt mit einer Rehmama begleitet von zwei Rehkitzen, danach eine Schwarzbärin mit zwei Cubs in Fernglasentfernung und schließlich Murmeltiere, die mit ihrem dicken Pelz und Bauch schon winterfest aussehen. Wir halten durch bis zum Glacier Point, doch zu sehen gibt’s hier heute rein gar nichts, da die Wolken auf den Boden stippen und ungemütliche Feuchtigkeit verbreiten. Auf dem Weg bergab beginnt es heftigst zu regnen. Wir sind froh, als wir das Visitor Center erreichen, um uns einerseits in der Cafeteria zu stärken und andererseits trockenzulegen.

Als nächstes stehen zwei Wasserfälle auf dem Programm. Der Narada Falls kommt mit 51m recht hoch daher, der Christine Falls eher mit Wassermasse. Nun haben wir sämtliche Highlights abgeklappert, somit starten wir wieder gen Norden.

Gegen 18:00 erreichen wir Seattle bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Wir shoppen kurz beim REI, dann setzen wir unsere Fahrt nordwärts fort. An der Abzweigung zum North Cascades NP von der Interstate stoppen wir am nächstbesten Motel.

Samstag 19.09.1998 – North Cascades NP

Wir starten gegen 9:30 bei Nieselregen. Die Wolken hängen tief, es sieht aus, als ob es nie aufhören wird. In Marblemount beschließen wir, die Abzweigung entlang des Cascade Rivers doch auszulassen und direkt in den North Cascades NP hineinzufahren.

Am Visitor Center hört der Regen auf, so daß wir dem Tip der Rangerin folgen – erst den Diablo-Lake-Trail zu hiken und dann mit dem Boot zum Ausgangspunkt zurückzufahren. Das Boot soll laut Fahrplan um 15:30 ablegen, so bleibt uns genügend Zeit, eine Campsite zu besetzen und das Zelt aufzustellen, um es still vor sich hin trocknen zu lassen.

Der Trail ist ca. 3,8 mi lang, beginnt am Diablo Dam und führt bis zum Ross Dam. Die beiden Staumauern begrenzen zwei kaskadische Stauseen. Gegen 13:30 sind wir abmarschbereit und folgen dem auf und ab des Trails. Der Trail ähnelt einem Trampelpfad und führt uns durch Wald und Geröllfelder hoch über dem Diablo Lake. Wir erreichen Ross Dam trockenen Fußes und mit 15:00 gut in der Zeit. In der halben Stunde Wartezeit auf das Boot werden wir am Anleger gut durchgepustet, so daß wir jedes mitgenommene Kleidungsstück durchaus gebrauchen können. Dafür zeigen sich während der Bootsfahrt ein paar Berggipfel von der Sonne ausgeleuchtet. Die Bootsfahrt dauert keine 30 Minuten. So sind wir kurz vor 16:00 zurück am Diablo Dam. Der Damm ist teilweise in Symbiose mit dem Felsen errichtet worden und stammt aus den 30er Jahren. Die Dammstraße ist nett mit Straßenlaternen ausgestattet.

Zurück am Campground kämpft Jan mit unserer letzten Neuerwerbung – einem Tarp. Nun kann der nächste Regenschauer getrost kommen, wir werden dennoch im Trockenen sitzen. Aber gerade aller Vorbereitungen zum Trotz kämpfen sich ein paar Sonnenstrahlen zum Sonnenuntergang hervor. Das Lagerfeuer brennt bereits, so daß die Meditationssession gesichert ist.

Sonntag 20.09.1998 – North Cascades NP ff.

In der Nacht gab es ein paar kleiner Schauer, aber das Blätterdach hat das Zelt wohlbehütet, so daß sich nur einzelne Tropfen verirrten. Wir schlafen recht lange, erst kurz vor 9:00 schlagen wir die Augen auf. Die Sonne steht bereits am Himmel. Wir haben Bergblick! Nach gemütlichem Frühstück packen wir das Nötigste, lassen dem Zelt noch Zeit zu trocknen und gehen auf einen kurzen Hike durch den Wald nahe des Campgrounds. Das Zelt ist anschließend schnell abgebaut – leider noch etwas feucht vom Kondenswasser.

Wir setzen unsere Fahrt ostwärts fort. Ein paar Overviews und kurze Trails stehen noch auf dem Programm, bevor wir den North Cascades NP in nördlicher Richtung verlassen. Die Bergwelt zeigt sich heute wirklich von ihrer schönen Seite, so werden wir entschädigt für den gestrigen feuchten und regenverhangenen Vormittag.

In Winthrop legen wir gegen 15:30 unseren Lunch-Stop ein. Der Ort ist ganz im Wildwest-Stil gehalten. Die Hauptattraktion sollen Rodeos darstellen, aber nicht zu dieser Jahreszeit. Touris schlendern dennoch genügend durch das Kaff. Nach unserer Stärkung und kurzem Sightseeing fahren wir weiter. Die Landschaft verändert sich zusehends. Sie wird trockener, lieblicher und insgesamt wärmer. Die Straße säumen rechts und links Obstbäumen gesäumt – wie little Südtirol.

Kurz hinter der kanadischen Grenze in Osoyoos mieten wir uns für die Nacht ein – mit Seeblick. In dieser Gegend herrscht bereits Off-Season, so daß man die Gäste zählen kann und leicht ein Zimmer findet.

Montag 21.09.1998 – unterwegs …

Bei strahlendem Sonnenschein frühstücken wir auf unserem Balkon. Jan hat sogar frische Semmeln und super Croissants organisiert.

Gut gestärkt setzen wir unsere Fahrt durch den Obstgarten Kanadas, das Okanagan Valley, fort. Etwa auf der Hälfte des Okanagan Lakes in Kelowna vertreten wir uns die Beine. Die Hauptattraktion stellt die Skulptur des Seemonsters Ogopogo (Nessie läßt grüssen) an der Seepromenade dar. Jan kann sogar darauf reiten, dann sieht es gar nicht mehr so monstermäßig aus. Weiter geht’s durch Obstplantagen in die Rockies.

Auf gut ausgebauter Strecke werden wir auf einer Kuppe ´rausgewunken. Wir (Jan) hatten 79 km/h statt erlaubter 60 km/h auf der Uhr. Jan kassiert eine kostenfreie Verwarnung statt $150 und wir fahren nun immer genau am Maxspeed, der Tempomat macht es möglich, fort.

Am späten Nachmittag erreichen wir bei klarer Bergsicht Revelstoke. Der Ort hat nicht viel zu bieten. Wir finden dennoch ein Restaurant für ein leckeres Abendessen. Jans Welt ist mit Steak und meine mit Lachs wieder in Ordnung.

Dienstag 22.09.1998 – Mount Revelstoke NP

Bei herrlichstem Sonnenschein springen wir früh aus den Federn (8:30). Das Frühstück nehmen wir in der German Bakery. Man/frau spricht deutsch. Fürs Schwarzbrot sind wir leider zu früh, so muß es dann doch das Pumpernickel aus dem Supermarkt tun.

Wir fahren den Meadows in the Sky Parkway bis kurz vor den Gipfel des Mount Revelstoke hinauf. Den Gipfel auf 1.985 m krönt ein alter Fire lookout. Die Sicht auf die umliegenden Berge ist phantastisch. Kleine Photographierwölkchen schmücken einige Gipfel. Wir hiken so ziemlich alle Trails rund um den Summit ab. Auf dem Meadow in the Sky Trail gibt’s als High-light die sogenannte Icebox, dargestellt durch eine kleine enge Felsschlucht, die gar nie nicht einen Sonnenstrahl sieht. Aus diesem Grund befinden sich in den Tiefen der Felsschlucht auch jetzt noch Schneereste. Abseits der Gipfeltrails wird es deutlich einsamer. Auf dem Laketrail begegnen wir hinzu keiner Menschenseele, dafür schönen farbigen Meadows. Zurück am Auto genehmigen wir uns ein kleines Picknick am Balsam Lake. Von der Sonne beschienen und aufdringlichen Vögeln bevölkert.

Den restlichen Nachmittag besichtigen wir die Bordwalks entlang des Trans Canadian Highways. Der Skunk Cabbage Trail führt über ein Sumpfgebiet, ist 1,2 km lang und informativ beschildert. Leider läßt sich kein Viecherl blicken. Der Giant Cedar Trail ist 0,5 km lang und liebevoll durch die Baumriesen angelegt.

Unser Zelt schlagen wir auf einem kommerziellen Campground am Canyon Hotsprings auf. Natürlich springen wir postwendend in die heißen Fluten.

Mittwoch 23.09.1998 – Glacier NP

Der Versuch das Zelt im trockenen Zustand einzupacken, scheitert kläglich. Die Sonne scheint leider nicht zuverlässig genug. Na egal, wir bauen das Zelt ein paar Kilometer später im Glacier NP eh wieder auf.

Auf dem Illecillewaet Campground finden wir ein hübsches Plätzchen. Die Regenshelter ist im Falle des Falles auch nicht weit. Das Zelt steht schnell und darf nun ganz allein vor sich hin trocknen.

Unser 1. Ziel gilt dem Roger Pass, um noch ein paar Infos zu erhalten und ggf. den Lebensmittelvorrat aufzufrischen. Die Sache mit den Lebensmitteln entfällt, der sogenannte Grocery hat nicht viel zu bieten – schon gar nichts für den Grill.

Am Nachmittag nehmen wir uns den Great Glacier Trail (4,8 km one-way) vor. Bei herrlichem Sonnenschein wandern wir durch den bemoosten Wald dem Fels entgegen, der die Spuren des Gletschers nicht verbergen kann. Aufgrund der ungewöhnlich warmen Temperaturen tauen die Gletscher sowie ein Gletscherdamm vor einem Gletschersee mehr ab als normal. Die Ranger beobachten die Situation und werden die Camper ggf. informieren, im Falle der Illecillewaet River über Gebühr anschwillt. Immerhin zelten auch wir an seinem Ufer. Die Wassermassen, die aus den Bergen kommen, sind schon gewaltig.

Außerdem können wir uns glücklich schätzen, einen trockenen Tag erwischt zu haben. Alle Reiseführer sind sich einig: im Glacier NP regnet es nur 2 Mal pro Woche – erst 3 Tage, dann 4 Tage lang.

Donnerstag 24.09.1998 – unterwegs …

Nächtens schauert es in stetiger Folge. Aber bis wir uns aus dem Schlafsack pellen, zeigt sich der Himmel zwar noch bedeckt aber trocken. So können wir die Schlafsäcke etwas lüften, nur das Zelt muß naß in den Sack.

Wir verlassen Glacier NP durch den Osteingang (im Norden des NP!) nicht ohne den Bear Creek Fall zu besichtigen. Den Abzweig vom Highway zu finden, grenzte schon an eine reife Pfadfinderleistung. Die Beschilderung fällt nämlich etwas dürftig aus. In Golden frischen wir unsere Vorräte auf, ansonsten muß man dieses Kaff nicht gesehen haben – nur Motels, Restaurants und Geschäfte. Das Skigebiet ist noch geschlossen. Weiter geht’s auf dem Pacific Highway #1 begleitet von beeindruckender Szenerie.

Am Nachmittag erreichen wir Yoho NP. Auf dem Campground Kicking Horse schlagen wir mal wieder das Zelt auf, spalten Holz und feuern den Grill bzw. das Lagerfeuer an. Steak und Lach pur werden zum Dinner serviert. Wer kann da schon widerstehen?

Freitag 25.09.1998 – Yoho NP

Bei leichtem Regen treibt mich die Blase aus dem Zelt. Zum Frühstück ziehen wir uns in eine Shelter zurück. Dort sitzen wir hübsch im Trockenen und können gemütlich frühstücken. Die Wolken hängen ziemlich tief, das läßt für die Bergsicht hoffen.

Wir beginnen unsere Tour mit der Natural Bridge – eine Wasserkaskade, die sich ihr Bett durch den Felsen gegraben hat. Ein Tourbus voller Japaner nach dem anderen fällt ebenfalls ein. Ich werde nie begreifen, warum Japaner (bzw. Asiaten generell) immer Menschen auf ihren Photos abbilden müssen.

Wir fahren weiter zum Emerald Lake, der eine tolle intensive türkise Farbe aufweist. Sobald wir das Auto verlassen, öffnet der Himmel seine Schleusen, aber diese kurze Schauer ist schnell überstanden, so daß wir zu unserer geplanten Hiking-Tour – dem Emerald Basin Trail – aufbrechen. Durch den Wald geht’s bald steil bergauf, danach aber wieder eben bis zu einem Amphitheater aus Gletscher, Fall und Lawinensteilhängen. Sobald wir uns zum Rasten niederlassen wollen, beginnt schlagartig der große Regen. Wir kontern mit Regenjacke und -hose und schlagen den Rückweg ein. Im Wald läßt es sich wieder trockener rasten. Wir beenden unseren Trip rund um die andere Seeseite des Emerald Lakes über Bordwalks. Jetz müssen wir nochmal zur Natural Bridge, um im Gegensatz zum ersten Mal die Fotos mit eingelegtem Film zu knipsen.

Nun fehlt uns noch der Takakkaw Fall, mit 254 m Höhe einer der höchsten Wasserfälle Kanadas. Sogar die Sonne läßt sich nicht lumpen und schickt eine blaue Wolke. Zum krönenden Abschluß läuft mir ein Hermelin über den Weg – hektisch und voller Panik irrt das kleine Tier kreuz und quer über den Weg.

Wir müssen die Stichstraße mit ihren engen Haarnadelkurven wieder zurück bis zum Canadian Pacific Highway #1, dort wenden wir uns in Richtung Lake Louise. In Lake Louise mieten wir uns in eine Lodge ein und versuchen uns in Sachen Wäsche – ein Mißerfolg! Die Laundry schließt ab heute bereits um 16:00 – Off-Season!

Das Abendessen gestalten wir dafür sehr stilvoll in einem Restaurant in einem alten Eisenbahnwaggon aus dem Jahre 1900. Sehr hübsches Ambiente und sehr lecker!

Samstag 26.09.1998 – Banff NP (8. Hochzeitstag!)

Die Nacht war ordentlich kalt. Es liegt Rauhreif. Als erstes machen wir in Wäsche, d.h. wir lassen waschen. Um 13:00 können wir sie wieder sauber und gelegt abholen.

Der Morgennebel hängt noch so tief, daß sich nur die Bergspitzen in die Sonne recken. Ein tolles Motiv. Nach der Photosession gönnen wir uns ein ausgiebiges Frühstück. Gestärkt streben wir dann den absoluten MUSS-Highlights in Lake Louise entgegen. Zuerst kommt der Lake „Lake Louise“ an die Reihe. Mitten in die Berge gekuschelt gäbe er mit seinem helltürkisen Wasser und den sich spiegelnden Bergen ein idyllisches Bild ab – wenn da nicht die Tourimassen wären, die das Lake-Hotel und die Seepromenade fest im Griff haben.

Wir fahren weiter zum Moraine Lake, der kleinen Schwester des Lake Louise. Die Wasserfarbe scheint noch intensiver, das Wasser glatter und die Spiegelungen schärfer. Wir mieten ein Kanu und paddeln eine Stunde über den See, denn Jan mag heute nicht laufen! Ruhe und Stille herrschen auf dem Wasser, solange Jan nicht mit dem Boot kippelt! Der strahlend blaue Himmel zaubert ein paar kitschige Spiegelungen in den See, die auf Photos immer schärfer geraten als das Original. Nur um die Lodge herum häufen sich die Touris. Wir nehmen einen kleinen Snack auf der Terrasse in der Sonne, dann wird es Zeit, unsere Wäsche frisch, sauber und ordentlich gefaltet in einem Wäschesack im Village abzuholen.

Am anderen Ende des Village wartet die Gondola zum Mount Whitehorn auf uns. Dort oben eröffnet sich ein tolles Panorama auf die umliegenden Berge, Gletscher und Lake Louise (beides Lake und Village!).

Am späten Nachmittag nehmen wir auf dem Icefield Parkway Kurs gen Norden. Über den Crowfoot Glacier bis zum anderen Ende des Bow Lakes schaffen wir es noch, dann mieten wir uns in der Num Li Tah Lodge am Ufer des Sees gelegen ein. Wir ergattern das vorletzte Zimmer (mit shared Bad) in dieser heimeligen Unterkunft. Die letzten Sonnenstrahlen genießen wir am Seeufer. Bis zum Abendessen kann man sich in der rustikalen Lounge die Zeit mühelos und kurzweilig vertreiben. Unseren Tisch haben wir für 19:30 bestellt. Das Essen ist hervorragend. Unsere vollen Schlemmerbäuche beugen wir den restlichen Abend über ein Puzzle, darüber vergessen wir fast die Zeit. Um 00:00 trollen auch wir uns als Letzte ins Bett.

Sonntag 27.09.1998 – Banff NP ff.

Nach üppigem Frühstück treibt es uns erst mal auf den Trail am See entlang in Richtung Wasserfall, der aus der Ferne bereits zu erahnen ist. Nach ca. 2 h erreichen wir wieder das Auto und weiter geht’s nordwärts.

Stop: Bow Summit. Mit 2.088 m einer der höchsten Punkte des Parkways, und Peyto Lake von bestechend türkiser Farbe.

Stop: Mistaya Canyon. Ein schmaler tiefer Canyon mit engen Windungen durch den mit schäumendem Getöse über Rapids der Mistaya-River stürzt.

Stop: Parker Ridge. Ein steiler Trail führt hinauf auf den Grat. Nach kurzem Wortgefecht können wir dann auch schließlich loslaufen. In nördlichen Lagen befinden sich noch kleine Schneefelder. Bis zum Grat sind es 250 Höhenmeter und 2,5 km Wegstrecke. Oben angekommen eröffnet sich der Blick auf den Saskatchewan Glacier, der gemächlich talwärts fließt. Ein Stück den Grat entlang entdecken wir eine kleine Herde Dallsheeps. Drei Schafe und drei Lämmer liegen wiederkäuend im Gras und beäugen uns mißtrauisch. Nach den obligatorischen Photos geben wir ihnen ihre Ruhe wieder. 1½ h später trudeln wir mit matschigen Schuhen wieder am Auto ein.

Ein kurzes Stück weiter auf dem Parkway verlassen wir Banff NP und betreten Jasper NP. Die beiden NP grenzen direkt aneinander.

Im Columbia Icefield Campground befreien wir unser nasses Zelt aus seinem Sack und beginnen die Trocknung. Unsere Zeltnachbarn, zwei Japanerinnen und ein Bergführer, versorgen uns mit Kaffee. Sie wollen am nächsten Tag einen Berg stürmen und verschwinden demzufolge früh am Abend in ihren Zelten. Dafür leistet uns ein deutscher Radler am Lagerfeuer Gesellschaft. Das Lagerfeuer jedoch ist mittlerweile dringend nötig, denn es wird jetzt sehr frisch abends. Die Gletschernähe tut darüber hinaus ein Übriges. Wir spinnen reichlich Bärengarn, was sich auch direkt auf unsere Träume auswirkt.

Montag 28.09.1998 – Jasper NP

Strahlend blauer Himmel und ein trockenes Zelt begrüßen uns. Das Frühstück nehmen wir auf der sonnenbeschienenen „Terrasse“. Damit es uns nicht gar so wohl wird, begeben wir uns danach warm verpackt aufs Eis.

Mit den Snowcoach-Tours lassen wir uns auf den Athabasca Glacier chauffieren. Der Athabasca Glacier stellt eine Zunge des gewaltigen Columbia Icefields mit 325 km2 Ausdehnung und bis zu 350 m Dicke dar. Wir dürfen auch aussteigen und auf dem Gletscher spazierengehen. Leider kommen wir just vor der Sonne am Ausstiegsplateau an, so daß es sich bei diesem Ausflug um eine ziemlich eisige Angelegenheit handelt. Pünktlich zur angegebenen Zeit sitzt alles wieder im Bus, gleichzeitig schafft die Sonne den Sprung über den Berg und taucht den Gletscher in ihr helles Licht. Aber leider ist unsere Zeit abgelaufen – schade! Zurück am Columbia Icefield Visitor Center können wir die Gletscherzunge wenigstens aus der Ferne von der Sonne verwöhnt bestaunen. Weiter geht’s.

Stop am Wegesrand: ein kleiner namenloser Fall. Hübsch anzusehen und animiert auch ein bisserl zum Klettern.

Stop: Sunwapta Falls. Durch enge Schluchten stürzen sich der obere und untere Fall kaskadisch in die Tiefe. Ein netter Waldtrail verbindet beide Falls miteinander. Der untere Fall zieht viel weniger Touris an, da er nur über einen 2 km langen Trail (one-way) zu erreichen ist.

Stop: Athabasca Fall. Ein Seitenarm ist trocken gefallen und wurde begehbar ausgebaut. Eindrucksvoll durch diesen teilweise sehr engen Canyon trockenen Fußes laufen zu können. Der Fall gibt allerdings auch kein schlechtes Bild ab.

Stop: Mount Edith Cavell. Kurz vor Jasper biegen wir in das windige Sträßchen ein, das zum Mount Edith Cavell führt. Für Camper ist diese Straße angeblich nicht geeignet. Na ja, für amerikanische Fahrkünste mag dies zutreffen. Am Endpunkt angekommen führt ein kleiner Trail dann zum eigentlichen Highlight. Einem Gletschersee gefüllt mit Eisbergen darüber hängend wie in einem Trichter die Gletscherzunge, die in diesen See kalbt.

Nun wird es aber Zeit für den Campground. Jan wird schon ganz unruhig. Kurz nach der Einfahrt zum Campground Whistler stehen doch wahrhaftig ein paar Wapitis (Elks), Kühe und Kälber, am Straßenrand. Die müssen natürlich direkt fürs Posing herhalten. Es sind immerhin unsere ersten Wapitis. Wie wir dann auf dem Campground feststellen, haben wir ab sofort reichlich von den Biestern. Eine Wapitikuh äst direkt neben unserer Campsite. Die Brunftzeit ist in vollem Gange, also heißt es sich vorzusehen vor Elkbullen, deren Brunftgeschrei über den gesamten Campground zu hören ist und hie und da bereits ihre Auserwählte versuchen zu beglücken. Ob die wohl nachts schlafen?

Dienstag 29.09.1998 – Jasper NP ff.

Sie schlafen nachts mitnichten – zumindest während der Brunftzeit. Die Wapitihirsche röhren die ganze Nacht. Ob die Angebetete(n) sie wohl erhörte(n)? Mitten in der Nacht hörte ich einige Wapiti-Damen das Zelt in einigem Abstand passieren, ohne mit den Zeltstrippen zu kollidieren.

Als wir uns aus dem Zelt rollen, befindet sich zumindest kein Wapiti in Sichtweite. Erst zum Frühstück zieht eine Damenherde mit Kälbern in einigem Abstand (jedoch deutlich geringer als der empfohlene Sicherheitsabstand) an uns vorüber. Die Frühstückstemperatur beträgt 3,6°C – immerhin plus. Brrrr…

Gut gestärkt starten wir in den Tag. Die Sonne tut sich noch etwas schwer hinter einem dünnen Wolkenschleier, die Autoheizung taut uns jedoch schnell wieder auf. Wir zweigen ab auf die Maligne River Road.

Stop: Medicine Lake. Nette Spiegelungen inklusive einem Moose-Paar im See stehend. Auf halber Seestrecke stehen ein paar Dickhornschafe auf bzw. direkt neben der Straße. Wieder stockt der Verkehr. Verkehrsschilder verbieten das Füttern der Schafe. Bis zum Maligne Lake geschehen keine weiteren Wildlife-Ereignisse.

Stop: Maligne Lake. Nur eine Lakecruise (oder Paddeln) führt den geneigten Betrachter zum berühmten Spirit Island mit Chance auf Postkartenphotos. Weiße Spots (= Mountain Goats) auf Berghängen und Gletscher begleiten die Seetour. Der Anleger am Spirit Island ist professionell inkl. Chemieklo ausgerüstet. Zu Spitzenzeiten scheinen mindestens zwei Boote parallel ihre Tourifracht auszuladen. Welch Idylle und Einsamkeit. Die Nachsaison weist doch ein paar Vorteile auf. Zurück am Hafen begrüßt uns eine Moose-Kuh mit Kalb in Ufernähe, die Tourimassen rücken ihnen deutlich zu dicht auf den Pelz. Da hilft nur die Flucht in den See.

Stop: Auf dem Rückweg sind am Medicine Lake wiederum einige Bighorn Sheeps ausgestellt. Halbwüchsige toben durch den Geröllhang und sorgen so für Steinschlag auf der Straße. Die restliche Herde streckt die Nase in die Autos, irgendwo muß doch Eßbares zu ergattern sein.

Stop: Maligne Canyon. Dieser Canyon kommt äußerst schmal und tief (bis zu 50 m) daher mit vielen Potholes und Narrows. Ein gut ausgebauter Trail führt über Brücken und Aussichtspunkte gut gesichert entlang bzw. über den Canyon.

Kurz vor Jasper entdecken wir weitere Bighorn Sheeps am Straßenrand, dieses Mal männliche Tiere mit ihren typischen gelockten Hörnern. Jasper dagegen haben die Wapitis fest im Griff – auf dem Highway, in den Vorgärten, auf den Grünstreifen finden sich Wapiti-Harems mit ihrem Pascha. Dieser zumeist mit stattlichem Geweih.

Mittwoch 30.09.1998 – Jasper NP ff.

Eissterne auf Tisch und Auto laden nicht direkt zum Frühstück im Freien ein. Deshalb fahren wir ins Jasper Village und suchen uns ein Café zum Frühstücken. Dick in Faserpelze gewickelt tauen wir bei heißem Kaffee schnell wieder auf.

Der Himmel sieht recht vielversprechend aus, also ruft der Whistler nach uns. Die Tramway bringt uns hinauf. Weitere 300 Höhenmeter führt der Trail auf den Summit. We did it. Der Trail ist fest gefroren, obwohl die Temperatur dort oben (2.500 m) fast angenehmer erscheint als im Tal. Ein Ptarmigan ganz in weiß, zwischen den Schneeflecken perfekt getarnt, kreuzt unseren Weg. Der Gipfelblick bietet ein phantastisches 360°-Panorama auf die umliegenden Berge der Rockies und seine blau-türkis schimmernden Seen.

Gegen Mittag kehren wir ins Tal zurück und fahren dann mit Ziel Miette River Road weiter. Bevor wir Jasper Village verlassen, entdecken wir auf einem Sportplatz einen riesigen Wapiti-harem mit kapitalem röhrendem Paschahirschen. Weiter auf der Strecke kreuzen Bergschafe, Damen- und Männerherden (natürlich getrennt), die Straße, sie bringen den Straßenverkehr kurzfristig vollständig zum Erliegen. Seen und schroffe Bergformationen begleiten unseren Weg. Das Endziel lautet Miette Hotsprings.

Dort angekommen rüsten wir uns erst mal für eine kleine Wanderung zum Feedle Pass. Am Flüßlein entlang und an den Quellen der Hotsprings vorbei steigen wir langsam aber stetig durch Wald den Berg hinauf. Die Baumgrenze schafft der Paß nicht ganz, aber ein Sattel mit Geröllfeld, Bergschafen und Pikas zeigen den Endpunkt an. Auf dem Rückweg sehen wir am Sattel keine Schafe mehr, dafür einen Schwarzbären oben im Hang. Die Schafe haben sich wohl in Sicherheit gebracht. Der Bär scheint unser Glöckchen zu hören, denn er unterbricht sein Fressen, spitzt die Ohren und schaut in unsere Richtung, um dann in aller Ruhe weiter zu futtern. Er sieht schon recht rund und winterfertig aus. Wie immer, wenn man einen Bären in nicht allzugroßer Entfernung sieht, macht das Herz einen Hopser und man beobachtet die Umgebung aufmerksamer.

Wir erreichen schnell wieder unseren Ausgangspunkt, denn die Belohnung wartet ja bereits auf uns. Schnell legen wir uns in den 40°C warmen Pool und genießen Wärme, Sonne und Berge. Das Verschwinden der Sonne hinter den Bergen gibt uns das Zeichen langsam wieder aufzubrechen. Auf der Rückfahrt finden wir wiederum Wapitis, Bergschafe und NEU eine Mountain Goat Mama mit Zicklein in ungeahnter Taltiefe. Das mineralhaltige Gestein hat sie in diese für sie ungewohnte Tiefe gelockt.

Das warme Licht der Abendsonne gepaart mit dem bereits aufgegangenen Mond geben eine perfekte Kulisse ab.

Donnerstag 1.10.1998 – unterwegs …

Eissternchen am Tisch, aber ein schnelles Lagerfeuer zum Frühstück wärmt uns auf. Zu unserer Unterhaltung läuft ein Wapitihirsch mit ordentlichem Geweih an unserer Campsite entlang wohl seinen Harem suchend. Seine Aufmerksamkeit gilt offensichtlich nicht uns.

Bei strahlend blauem Himmel machen wir uns auf den Weg gen Süden mit Ziel Kootenay NP. Berge und Gletscher zeigen sich von ihrer besten Seite. Eine Familie Bergziegen posiert an einem mineralhaltigen Hang für Touris. In Lake Louise legen wir einen kurzen Zwischenstop für einen Mittagssnack ein, um kurze Zeit später die Fahrt gen Radium fortzusetzen.

Bald hinter Lake Louise haben wir Kootenay NP erreicht. An den Paint Pots vertreten wir uns auf kurzem Trail die Beine. Die ockerfarbene Erde wurde früher als Farbgrundstoff zum Färben und Körperbemalung verwendet.

Die Ranger entfachen von Zeit zu Zeit sogenannte predescribed fire, um größeren natürlichen „normalen“ Waldbränden zuvorzukommen und diese zu reduzieren. Für Flora und Fauna sind sie jedoch notwendig. In einer Ecke des Kootenay NP brennt derzeit solch ein Feuer. Die Ranger warnen in Abständen auf dem Highway davor und informieren an einigen Infoständen entlang des Highways hierüber.

Radium im äußersten Süden des Kootenay NP lebt ausschließlich von seinen Hotsprings und das ganz im Alpenstil. Wir quartieren uns im Bavaria Motel ein, denn alle Campgrounds sind bereits closed for the season. Natürlich können wir die Hotsprings nicht auslassen. Im hübschen Ambiente regenerieren wir im warmen Pool (40°C). Die anschließende Erfrischung im kälteren Schwimmpool tut denn auch gut. Das Abendessen nehmen wir im „Old Salzburg“. Man spricht deutsch. Meine Käsnocken sind sehr lecker, aber der Rotkohl auf dem Veggieteller ist weltspitze, so daß ich mir hiervon sogar noch ein Tellerchen nachbestelle.

Genau gegenüber des Restaurants haust ein schweizer Woodcarver, den wir zu später Stunde heimsuchen. Laut Reiseführer stellt er in diesen Breiten ein echtes Unikum dar, das Touris sicht nicht entgehen lassen sollten. Als wir das Anwesen betreten, sitzen drei Schweizkanadier um ein Lagerfeuer. Im ersten Stock wohnen zwei Ziegenböcke (angeblich Arbeitsziegen) – Originalimport aus der Schweiz, die die alpinistischen Klänge mit ihren Kuhglocken der Szenerie spendieren. Wir werden herein gebeten und mit einer ordentlichen Ladung Alkohol abgefüllt. Das Etablissement ist außerordentlich, der Abend sicher einer der Denkwürdigsten. Spät und angetrunken fallen wir in die Betten.

Freitag 2.10.1998 – Kootenay NP

Grau in grau und naß von oben. Das Sightseeing fällt deswegen etwas spartanischer aus.

Stop: Marble Canyon. Wir rüsten uns wetterfest aus, um dann den Canyon zu erkunden. Der Canyon-Trail führt mithilfe einiger Brücken kreuz und quer über den Canyon, so daß sich dem Touri einige spektakuläre Einsichten eröffnen.

Stop: Pazifik-Atlantik-Wasserscheide. Gleichzeitig bildet sie auch die Grenze zwischen British Columbia und Alberta, sowie Kootenay NP und Banff NP. Weite Teile des Waldes sind in dieser Gegend einem riesigen Waldbrand 1968 zum Opfer gefallen. Der Wald regeneriert sich jedoch bereits zusehends.

Nun verlassen wir Kootenay NP und betreten wieder Banff NP. Auch hier gibt’s naß von oben. So beschließen wir direkt bis Banff durchzufahren und uns dem Shopping hinzugeben. Wir quartieren uns im Youth Hostel ein, welches angeblich das 6. schönste weltweit ist. Wir erhalten ein Zimmer mit sechs Betten und internationaler Belegung – 1 x Korea, 2 x Australien. 2 x Deutsch. Am Nachmittag begeben wir uns auf Souvenirjagd.

Samstag 3.10.1998 – Banff NP

In der Küche haben wir unser Frühstück schnell und bequem gemacht, nur der Kaffee braucht auf elektrischen Platten etwas länger, da der Boden unserer Kaffeemaschine inzwischen wohl eher rund ist.

Am späten Vormittag starten wir auf dem Bow Valley Parkdrive in Richtung Castle Mountain. Der Himmel ist bewölkt, aber die Sonne zeigt sich wenigstens ab und zu. Am Johnsten Canyon besuchen wir die Lower (1,1 km) und die Upper Falls (2,7 km). Der Catwalk auf halber Höhe des Canyons ergibt völlig neue Perspektiven. Der Castle Mountain konnte sich zwischenzeitlich von seinem Wolkenhut befreien und zeigt sich nun in seiner ganzen monumentalen Pracht.

Auf dem Rückweg nach Banff Village biegen wir in die Stichstraße zum Skigebiet Sunshine Valley ab. Auf halber Strecke läuft uns ein Fuchs über die Straße und verschwindet schnell wieder im Wald. Langsam aber sicher komplettieren wir unser Tierrepertoire. Ganz namensuntypisch begrüßen uns im Sunshine Valley dicke Schneeflocken. Die Schneegrenze ist just bis zur Baumgrenze gerutscht. Das Sunshine Valley lädt so jedenfalls nicht zum Verweilen ein.

Am Nachmittag erhaschen wir einen hübschen Blick auf Banff und Umgebung vom Tunnel Mountain. Auf allen größeren Rasenflächen, wie Sportplätze, Golfplätze oder sonstige Grünanlagen haben sich größere Herden Wapitis in Harems aufgeteilt niedergelassen. Manchmal dringt ein Brunftschrei bis zu uns hinauf.

In Banff Village findet dieses Wochenende eine riesige Freßorgie statt – „A Taste of Banff and Lake Louise“. Alle Restaurants von Rang und Namen präsentieren einen schmalen Ausschnitt ihrer Küchenkünste gegen Tickets. Wir schlagen uns die Bäuche voll und beschließen den Abend kartenspielender Weise im gemütlichen Aufenthaltsraum der Jugendherberge.

Wir verlängern unseren Aufenthalt um zwei Tage. Das Zelt bleibt im Sack. Irgendwann muß sich die Jugendherbergsmitgliedschaft ja mal rentieren. Außerdem haben wir seit der zweiten Nacht die Galerie in unserem Zimmer für uns alleine.

Sonntag 4.10.1998 – Banff NP ff.

Wir starten mit einem reichhaltigen Frühstück in den Tag. Die Sonne blinzelt durch größere Wolkenlöcher, so daß wir unser Zelt zum Trockenen aufschlagen. Nun kann es allein vor sich hin trocknen und wir begeben uns auf Sightseeing Tour.

Hoodoos. Sie sind das nächste und naheste Ziel. Als Wiesentrampler kommen wir den Kalkriesen auf der Sonnenseite näher.

Vermillion Lakes. Die drei Vermillion Lakes verbindet ein Drive. Sie bieten eine hübsche Seen- und Sumpflandschaft vor der eindrucksvollen Bergkulisse. Außer Enten zeigen sich zu dieser mittäglichen Tageszeit natürlich keine Tiere. Allein im Wald können wir Biber nachweisen, denn einige Bäume zeigen zweifelsohne Spuren von Biberbiß auf. Zwischenzeitlich verdunkeln einige dunkle Wolken den Himmel, so daß wir uns beeilen das weitestgehend trockene Zelt in den Sack zu stecken.

Lake Minnewanka. Dieser Nachmittagsausflug fällt nicht so ergiebig aus, denn die Off-Season hat bereits alle Einrichtungen erfaßt.

Mount Sulfur. Dafür entschädigt uns der Mount Sulfur mit einem hübschen Panoramablick hoch über Banff Village.

Bow-Falls. Dieser Wasserfall zu Füßen des Banff Spring Hotels gleicht eher einem überdimensionierten Waschbrett (= Rapids).

Golfplatz: In direkter Nachbarschaft der Bow-Falls befinden sich einige Golfplätze, um die eine Straßenloop führt. Auf den Greens streiten Wapitis und Golfer um das Vorrecht, denn mehrere Wapiti-Harems und Single-Wapiti-Hirsche reklamieren die Grünflächen für sich. Kurze Gerangel zwischen den jüngeren Hirschen respektive Hirsch und Golfer nicht ausgeschlossen.

Das Abendessen bereiten wir uns in der Küche des Hostels – kurz vor der Küchen-Rush-hour. So können wir mit vollen Backen den anderen Hostelgästen bei ihren Bemühungen zuschauen.

Montag 5.10.1998 – Banff NP ff.

Ausschlafen, duschen und ausgiebig frühstücken, so kann nur Urlaub sein an einem Montagmorgen. Wir begeben uns zu den Anfängen der kanadischen Nationalparks, die durch den Fund einer heißen Quelle begründet wurden. Die alte Quelle (Lower Hotsprings) liegt heutzutage aus Kostengründen brach, da sich kein kommerzieller Betreiber fand. In einem alten Becken gibt sie dafür einigen Schneckenarten ihre artgerechte Heimat zurück. Die Schnecken brauchen ein möglichst von Menschenhand unbeeinflußtes Umfeld, da sie offensichtlich sehr empfindlich reagieren.

Die Ausstellung ist, wie gewohnt, sehr liebevoll und informativ ausgestaltet. Auf einem Bordwalk kann man die heiße Quelle in den Felsen zurückverfolgen. An einigen Stellen blubbert es aus der Erde. Wir schließen die Marsh-Loop an auf der Suche nach echten lebendigen Bibern. Aber kein da – auch keine Biberburg zu entdecken. Schade!

Der Cascade Garden sieht von Frühjahr bis Herbst sicher hübsch bunt aus rund um das burgähnliche NP-Verwaltungsgebäude. Jetzt nahe den ersten Schneeflocken vermittelt er vor allem einen winterfesten Eindruck.

Nach kurzem Snack fahren wir zur Norquay Skiarena hinauf. Dickhornschafe (Männer!) säumen die Straße. Sicher ist das Gestein am Straßenrand besonders mineralhaltig. Wir wandern den Sponey Squaw Trail bis zum Summit hinauf. Der Wald ist derart dicht, daß wir ohne den Pfad den rechten Weg wohl nicht gefunden hätten. Zum Summit hin wird der Baumbestand etwas spärlicher. Dafür kann der Wind nun besser angreifen, er läßt die Bäume knarren und knacken, so daß wir schon mal sichernd nach oben schauen. Am Summit werden wir mit einem hübschen Blick auf Banff und Umgebung belohnt.

Den Nachmittag beschließen wir in den heißen Quellen (Upper Hotsprings). Jan gönnt sich ein historic Suite, darin kommt sein Biergeschwür besonders gut zur Geltung. Die Abendsonne taucht die umliegenden Berge in ihr sanftes Licht, so läßt es sich im warmen Pool schön entspannen.

Auf dem Weg zum Abendessen besichtigen wir das erste Haus am Platze – das Banff Spring Hotel. Es gleicht eher einer Festung. Wir sind beeindruckt.

Das Abendessen nehmen wir mal wieder eher stilvoll und sehr lecker in einem vom City Guide empfohlenen Restaurant.

Dienstag 6.10.1998 – unterwegs …

Bei strahlend blauem Himmel verabschieden wir uns aus Banff NP. Wir fahren auf dem Canadian Pacific Highway #1 aus den Rockies auf das platte Land. Gegen Mittag erreichen wir Calgary. Ein Motel ist schnell gefunden, dann streben wir gen Downtown.

Wir klappern die Highlights in Downtown ab, als da wären

Denovian Garden. Ein riesiger Indoor Garten mit Teichanlagen, Schildkröten, Fischen und Skulpturen inmitten einer Shopping Mall. Viele Arbeitnehmer nehmen hier ihr Mittagessen „for to go“ zu sich.

Calgary Tower. Die Panorama Plattform bietet einen tollen Blick über Calgary und Umland bis hin zu den Rockies auf der einen und Mount Rainier auf der anderen Seite.

Prince Island Park. Ein Park mit Joggern, Skatern, Spaziergängern und schwarzen Hörnchen eingekuschelt in einen Bogen des Bow-Rivers vor der Skyline Calgary´s.

Die ersten Einkäufe im Vorübergehen sind schnell erledigt, so können wir noch am anderen Ufer des Bow-Rivers von erhöhter Position die Skyline im späten Sonnenlicht auf uns wirken lassen. Hinter uns befindet sich eine der feineren Wohngegenden gut situierter Kanadier.

Mittwoch 7.10.1998 – Drumheller

Ausgeschlafen erheben wir uns gegen 10:00 aus den Federn. Das Frühstück ist schnell bereitet in unserer Kitchenette. Gegen 11:15 starten wir unseren Tagesausflug ins 150 km entfernte Drumheller bekannt für seine Dinosaurierfunde im Red Deer Valley oder auch Badlands.

Der Highway führt uns in Richtung Nordosten. Bald fahren wir nur noch entlang abgeernteter Felder über schnurgerade Strecke. Ab und zu eine Kurve mit Geschwindigkeitsbegrenzung weckt den Fahrer wieder aus seiner Monotonie. Kurz vor 13:00 erreichen wir Drumheller.

Ohne weiteren Aufenthalt begeben wir uns direkt auf den Dinosaurier Drive. Der Dinosaurier Drive führt durch die Badlands – zumeist im Tal, aber auch in kurzen Abstechern auf die Rim. Die Hauptattraktion des Dinosaurier Drives bildet sicher das Royal Tyrrell Museum of Palaeontology, in dem Ausgrabungsfunde Alberta´s aber auch Dinosaurierfunde anderer Staaten, wie Utah oder Argentinien ausgestellt werden. Das Museum enthält lebensgroße Dinosaurier aller Gattungen und Formen und zeigt liebevoll und informativ die Vergangenheit plastisch auf. Einige Viewpoints auf der Rim zeigen phantastische Einblicke in den Canyon, nur die Sonne fehlt. Auf Hälfte der Strecke gehört eine Fähre zum festen Bestandteil des Dinosaurier Drive. Sie ist kostenfrei und ein Erlebnis für sich. An Stahltrossen wird die Fähre über den Fluß geleitet.

Wieder zurück in Drumheller, welches inmitten der Badlands liegt, schließen wir den Hoodoo Drive zur anderen Seite des Canyons an. Auch auf dieser Seite gibt es einiges zu sehen.

Suspension Bridge. Auf halber Strecke zu den Hoodoos halten wir an einer sehenswerten Hängebrücke, die den Coalminern in Rosedale ehemals das Leben erleichterte.

Hoodoos. Einige ausgeprägte Kalkpilze recken sich inklusive ihrem Deckelchen in die Höhe. Wir klettern durch sie hindurch und versuchen Größenvergleiche. Im gesamten Tal kann man kleine Ansätze zukünftiger Hoodoos entdecken, aber bis die so richtig zur Touri-Attraktion heranwachsen, werden noch einige Jahrhunderte vergehen.

Atlas Coal Mine. Heute wird im gesamten Tal keine Kohle mehr gefördert. Die Kohle hat den Kampf gegen das Gas verloren. Alle Orte im Tal lebten ehemals von der Kohlenförderung und haben Anfang 1900 viele Arbeiter aus Europa und anderen kanadischen Staaten angelockt, hier das große Glück zu suchen. Wie in vielen anderen Fällen auch haben meist andere das große Geld verdient – Huren, Kaufleute etc. In East Couler besichtigen wir die Atlas Coal Mine. Sie wurde als letzte Mine des Tales 1979 geschlossen. Wir können leider nur die Self-guided-Tour unternehmen, geführte Touren durch die Mine werden derzeit nicht mehr angeboten. Die Nachsaison hat eben auch Nachteile. Aber diese kleine Tour ist ebenfalls informativ, nur kommen wir leider nicht in die Tripple und die Mine hinein.

Last Saloon. Zum Abschluß suchen wir den Last Saloon in Wayne auf. Aber nach einem Drink brechen wir wieder auf, so sehr begeistert uns der Saloon nun nicht. Wir sind eben verwöhnt.

In Drumheller kehren wir in die einzige offene Kneipe, die wir entdecken, ein. Wider Erwarten mundet das Essen recht gut, so daß wir gut gestärkt die Rückfahrt nach Calgary antreten.

Donnerstag 8.10.1998 – Calgary

Wir beginnen olympisch. Calgary´s Olympiazentrum von 1988 beherbergt einige Gerätschaften für Winterdisziplinen, die der geneigte Besucher betrachten oder im Simulator erfahren kann. Die Bobfahrt oder der Skispringer im Simulator sind schon erlebniswert. Aber auch der Blick von der 90-m-Schanze sagt uns, daß wir hierfür definitiv bereits zu alt sind, um uns angstfrei in diese Tiefen zu stürzen. Über die Bobbahn könnte man schon eher sprechen, denn die Besucherbobs sehen sicher und robust aus. Aber leider wurde der Sommerbetrieb bereits eingestellt und der Winterbetrieb noch nicht eröffnet. Immerhin wird die Bobbahn seit drei Tagen frisch geeist. Ansonsten wird das Gelände vielfacher Nutzung zugeführt, wie Konzerte, Training, MTB und im Winter Skifahren, Snowboarden etc. Darüber hinaus liefert die Anhöhe einen hübschen Blick hinüber nach Calgary und deren Downtown.

Wir schließen die Besichtigung des Heritage Park Historic Village an. In diesem historischen Ort wird das städtische kanadische Leben um 1914 dargestellt. Die Läden sind bereits geschlossen (closed for the season), aber die ausführliche Tour entschädigt hierfür.

Wir beenden damit das touristische Programm für heute und wenden uns den letzten geplanten Einkäufen zu. Wir werden ausreichend fündig, in allem was hierzulande preiswerter angeboten wird als daheim (Jeans, Sportschuhe, Outwear).

An diesem unserem letzten Abend gönnen wir uns noch ein formidables Dinner in gediegener Club-Athmosphäre. Unser Ober ist definitiv schwul, aber cute und das Essen vorzüglich.

Nun kann das große Packen beginnen.

Freitag 9.10.1998 – Rückflug

Unser Flieger startet erst am späten Nachmittag, so können wir unseren letzten Tag gemütlich angehen. Wir frühstücken in einem alten Café in heimeliger Atmosphäre. Der Laden ist gestopft voll. Wir finden mit Mühe und Not einen kleinen Tisch. Das Frühstück mundet uns jedoch exzellent.

Zum touristischen Abschluß nehmen wir uns das Calgary Fort vor. Zu unserer Enttäuschung ist das Fort selbst wegen Renovierung geschlossen, so daß wir lediglich die Ausstellung besuchen können. Als touristisches Highlight lassen wir uns in der Uniform der Canadian Mounties gemeinsam ablichten.

Am frühen Nachmittag checken wir am Flughafen ein. Der Flieger startet pünktlich um 17:50. Wir dürfen dieses Mal sogar mit unserem gebuchten Flug zurück. Der Streik der Air Canada ist beendet. Da uns der Wind in den Rücken bläst, landen wir eine gute ½ h vor der Zeit in Frankfurt. Unsere Rucksäcke rollen unerwartet schnell und vollständig vom Gepäckband.

Wir haben insgesamt ca. 4.600 km zurückgelegt, vielseitige Landschaften bestaunt, eine große Auswahl an Tieren beobachtet und haben einige Trails per Pedes erwandert. Etwas mehr Sonne wäre sicherlich schön gewesen, aber in diesen Breiten gilt: Hauptsache trocken! Außerdem waren wir froh, in der Off-Season zu reisen, denn bei den Tourimassen in der Hauptsaison ist das Landschaftserlebnis sicher geringer.