Canada ~ Maritimes 2003

Canada ist auch so groß, dass man es nicht in vier Wochen komplett bereisen kann. Diesmal nehmen wir uns die Maritimes (Nova Scotia und Neufundland) vor. Es war Lobster Season, diese leckeren Viecher gab es den ganzen Urlaub bis zum Abwinken und das für kleines Geld. Die Tidal Bore in Truro ist sensationell. Halifax überrascht als moderne Stadt, die aber ihren historischen Charme behalten hat.

19.06.2003 – 17.07.2003

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Inhalt

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Reiserouten und Fotoalbum

Reiseroute Nova Scotia

Reiseroute New Foundland

Fotoalbum

Donnerstag 19.06.2003 Anreise

Wir stehen mitten in der Nacht auf (7:00), denn um 7:45 erwarten wir unser Taxi zum Flughafen. Irmgard steht pünktlich vor der Tür. Ein letzter Streichler für Pico und los geht‘s. Nach dem Einchecken haben wir noch reichlich Zeit für ein Frühstück in der Lufthansa-Lounge. Wir gehen pünktlich um 10:35 in die Luft und kommen in Boston auch in-time wieder runter (Ortszeit 12:30 mit 6 h Zeitverschiebung). Die Immigration und das Gepäck durch den Zoll müssen sein, danach bleiben uns noch weitere 5 h bis zum Weiterflug nach Halifax.

Wir unternehmen einen Kurzausflug in die Bostoner Innenstadt. Die Subway macht es schnell und einfach möglich. Wir vertreten uns ein wenig die Beine und genießen die frische Luft. Pünktlich um 18:30 geht es in einer kleinen Maschine der Air Canada weiter. Wir bekommen wieder 1 h Zeitverschiebung zurück und landen bei strömendem Regen gegen 21:00 Ortszeit in Halifax. Welch ein Empfang!

Das ganze Gepäck ist mit uns angekommen. Die Counter der Autovermietungen haben ebenfalls alle noch geöffnet. Wir erhalten ein nettes Auto, mit dem wir direkt den Weg nach Halifax zu unserem vorgebuchten B&B einschlagen. Das B&B finden wir nach Erreichen der Halifax Citylimits schnell. Wir beziehen nach barer Vorauszahlung unser Zimmer, um dann sofort in die Horizontale zu fallen. Es ist 22:30 Ortszeit.

Freitag 20.06.2003 Halifax

Old Town Clock – Wahrzeichen von Halifax

Um 9:00 ist die Nacht vorbei. Wir machen uns auf die Socken, um Halifax zu erkunden. Wir beginnen mit dem Frühstück in Downtown.

Gut gestärkt steigen wir bei strahlend blauem Himmel den Berg zur Zitadelle hinauf. Dort wird einiges geboten für den Eintritt. Stündlicher Wachwechsel, Exerzierübungen, Dudelsackpfeifer im Schottenrock, die Zitadelle selbst natürlich und der tägliche Schuss aus der Noongun. So weiß dann jeder nach dem Knall, dass die Lunchtime begonnen hat. Dieser Brauch stammt aus der Zeit, als Uhren noch nicht so verbreitet waren.

Man hat von dort oben einen hübschen Blick über die Stadt. Die Stimmung auf der Zitadelle mutet schon ziemlich schottisch an, aber doch bei weitem weniger steif als in good old england, denn die Soldaten und Wachen dürfen sich bewegen und mit den Touris sprechen.

Den Nachmittag verbringen wir Downtown und an der Waterfront. Die Sonne knallt ganz ordentlich, wie man an Jans Krebsfarbe bald erkennen kann. Die Stadtrundfahrt mit einem großen Amphibienfahrzeug zu Wasser und zu Lande ist ein Abendteuer für sich. Den Nachmittag beschließen wir auf einer schattigen Dachterrasse. Sonne hatten wir für heute wahrlich genug.

Zum Abendessen laben wir uns Nova Scotian mäßig mit Seafood an der Waterfront. Ganz ausgezeichnet. Der Verdauungsspaziergang zurück zur Pension lässt Fisch und Lobster gleich besser rutschen.

Samstag 21.06.2003 Halifax ff., Peggy’s Cove

Whouh, blauer Himmel wohin man schaut. Wir starten in kurzen Hosen. Das Frühstück nehmen wir mit Blick aufs Wasser an der Waterfront.

Als erstes steht die Rundkirche auf dem Programm. Sie erhielt ihre runde Form, weil Prince Edward eine Geliebte hatte und der Teufel ihn deswegen nicht in eine Ecke treiben können sollte. Wir fahren weiter über die Mac Donnell Bridge nach Dartmouth, um von dort den Blick auf die Skyline von Halifax genießen zu können. Im Park der Uferpromenade befindet sich der World Peace Pavillon, der Steine aus der ganzen Welt zeigt. Für Deutschland liegt ein Stück der Berliner Mauer aus.

Wir fahren wieder zurück auf die Halifax-Seite zum Fairview Cementry. Dort stehen Reihen um Reihen die Grabsteine der Titanic Opfer, die die Haligoner aus dem Wasser gezogen haben. Die Grabsteine weisen alle das selbe Datum aber häufig keine Namen auf.

Am Südzipfel der Stadt befindet sich der Pleasant Park direkt am Container-Hafen gelegen. Dort lässt es sich nett wandern, joggen, sonnen oder auch baden. Leider ist die dortige Kneipe closed for the season, so dass Jan vorerst hungrig bleiben muss. So eilen wir durch den Park, denn mit Jans knurrendem Magen ist nicht zu spaßen.

Zurück in Downtown Halifax finden wir eine schattige Dachterrasse in der Springfield Street, wo wir uns für den Nachmittag stärken.

Im benachbarten Private Park bewundern wir die Grün- und Blumenanlage. Auf dem See werden die Enten und ihre Küken gefüttert. Eine runde Mama-Ente hat ihr Lager mit ihren 10 Küken direkt neben dem Weg aufgeschlagen. Ob das ruhige Träume für die Küken verspricht bei der Besuchermasse?

Am Spätnachmittag entschließen wir uns zu einem Ausflug nach Peggy’s Cove, das ca. 50 km in südlicher Richtung von Halifax entfernt liegt. Das Fischerdorf wirkt richtig idyllisch, vor fast jedem Haus lagern Lobster Käfige. Der Leuchtturm steht natürlich an exponierter Stelle und stellt eines der Fotomotive Nova Scotias dar. Er wurde renoviert, ist aber nicht mehr in Betrieb. Wir lichten ihn selbstverständlich auch von allen Seiten ab. Früher wurde er paradoxer Weise von einem Piraten betrieben. Wenn das nicht fette Beute versprach … Die See verhält sich momentan ruhig, da können wir arglos durch die Klippen streifen.

Das Restaurant nahe des Leuchtturms lädt uns nicht gerade zum Essen ein, so dass wie es bei einem plörrigen Kaffee belassen, bevor wir die Rückfahrt antreten.

 

Das Abendessen gönnen wir uns dieses Mal bei den Five Fishermen. Muscheln und Salat gibt es zum satt essen kostenfrei vorneweg. Wer da noch eine Vorspeise bestellt ist selber schuld …Lachs und Lobster runden das Mahl ab.

Sonntag 22.06.2003 … unterwegs … Halifax bis Chéticamp

Gegen 10:00 verlassen wir mit voll gepacktem Auto Halifax in nordöstlicher Richtung. Auf dem Highway 102 brausen wir dem Trans Canada Highway (TCH) 105 entgegen. In Truro legen wir einen kurzen Stopp am Tidal Bore Lookoff ein, aber zur Zeit herrscht Ebbe und die Flut wird erst in einigen Stunden erwartet. Also ist auch nichts los an diesem Ort, denn sonst ist nichts geboten.

Wenig später biegen wir auf den TCH gen Osten ab. Auf Cape Breton Island biegen wir auf den Ceilidh (sprich: kaylee) Trail ein. Ab Mabou wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher in ihrem bergauf bergab mit Küstenblick.

Kurz hinter Belle Côte lohnt die skurrile Open-Air-Ausstellung Joe’s Scarecrow Theatre durchaus einen Halt. Die lebensgroßen Puppen haben was. Von Hochzeitsgesellschaft bis Altersheim – alles da.

Mit dem nächsten Ort Chéticamp erreichen wir bereits unser heutiges Etappenziel. Gegen 16:30 schlagen wir in einem Motel unser Quartier auf. Wir hängen auf unserer Terrasse mit Meerblick auf ein Bier ab, dann begeben wir uns auf Erkundungstour durch dieses Straßenkaff. Die französische Kirche dominiert den Ort. Die gegenüber liegende Coop-Artisanale verkauft und zeigt das hiesige Kunsthandwerk am lebenden Objekt. Es ähnelt unserer Gobelinstickerei, wird jedoch mit einer Häkelnadel auf Sackleinen boucléartig ausgeführt. Diese Objekt mit grafischen oder floralen Muster sollen wohl überwiegend an die Wand. In jedem Fall stellen die Frauen diese „Bilder“ hauptsächlich während des langen Winters her. Die Technik ist uralt und wird von Generation zu Generation weitergeben.

 

Zum Abendessen gehen wir in das Restaurant gerade gegenüber vom Motel. Für mich gibt es Snow Crab Legs satt!! Super lecker. Den abschließenden Kaffee kochen wir lieber selbst im Wettstreit mit den Mücken. Wer wohl gewinnt?

Montag 23.06.2003 Cabot Trail ~ Cape Brenton NP ~ Chéticamp bis Pleasant Bay

Unser Frühstück bereiten wir heute selbst auf unserer Terrasse. Nett und lecker. Gegen 10:00 machen wir uns auf den Weg. Der Cabot Trail wartet.

Kurz hinter Chéticamp befindet sich der Eingang zum Cape Breton NP. Wir absolvieren diverse Lookoffs. Am Trailhead des Sky Trails stellen wir das Auto ab, wechseln die Schuhe und dann geht es erst mal zu Fuß weiter – für die nächsten gut 8 km. Bis zum Aussichtspunkt wäre der Trail fast in Highheels machbar, aber Elchbulle und Elchkuh am Wegesrand erinnern uns wieder daran, dass es sich hier um einen Nationalpark handelt. Der Weg zum Aussichtspunkt ist sehr gut ausgebaut und gepflegt. Abschließend geht er in einen Bordwalk über, der uns von Aussichtsplattform zu Aussichtsplattform über Treppen hinab dem Meer näher bringt. Vor der Küste tummeln sich Wale. Die Aussichtsplattformen laden zum gucken und verweilen ein. Irgendwann reißen wir uns vom Panorama wieder los und treten den Rückweg zum Auto an. Wir wählen jedoch die Rundwegvariante, auf der sich deutlich weniger Touris tummeln und deutlich ursprünglicher ausfällt.

 

Wir folgen dann der Küstenstrasse bergauf und bergab, dies ist jedoch mit Passstrassen europäischer Verhältnisse kaum vergleichbar.

In Pleasant Bay mieten wir uns ein für die Nacht. Am Hafen buchen wir die nächste mögliche Waltour. Wir können nahezu direkt das Boot entern.

Unser Bootsführer verfügt über eine gute Walnase, so dass wir jede Menge Wale zu Gesicht bekommen. Pilotwale, Minkwale, Finnwale, Seals und Delfine und alles in unmittelbarer Nähe zum Boot. Das Unterwassermikro bringt den Gesang der Walherde, in deren Mitte das Boot dümpelt, an Deck. Die Tiere schwimmen um das Boot herum oder tauchen unten durch oder versuchen das Mikro anzuknabbern. Selbst das Atmen und Abblasen der Wale bringt eine unvermutete Geräuschkulisse.

Nach der Tour gefällt mir die heiße Dusche zum Aufwärmen außerordentlich gut. Das Motelrestaurant serviert ganz manierlich Fisch und für Jan 2 Lobster für den Preis von einem ½ daheim. Also Lobster satt.

Die Mücken feiern zwischenzeitlich ihr eigenes Festival.

Dienstag 24.06.2003 Cabot Trail ~ Cape Breton NP ~ Pleasant Bay bis Baddeck

In der Nacht kommt ordentlich Wind auf. Wir schließen alle Fenster bis auf eines, dann ist langsam wieder an Schlaf zu denken.

Am Morgen überrascht uns der Himmel blau und klar, aber der Wind bläst unablässig. Gegen 10:30 sind wir fertig für die Weiterfahrt. Wir geben uns 2 Morgenspaziergänge. Der erste führt uns über einen Wurzelweg durch Ahornwald zu einem Wasserfall. Den 2. Wasserfall kann man mit dem Auto über eine Piste anfahren.

Wir parken das Auto, schließen das Auto von innen an der Tür vollständig ab, schlagen die Türen zu und mit dem Zuschlagen der Fahrertür entfährt es Jan „ich glaube der Schlüssel liegt drinnen“. Und so ist es tatsächlich. Der Schlüssel liegt am Boden der Fahrerseite, er muss Jan aus der Tasche gekrabbelt sein. Typischer Fall von Schlüsselflucht! Das kommt ja täglich vor. Leider wird zu Mietfahrzeugen immer nur genau ein Schlüssel ausgehändigt. Jan versucht die Schlösser zu knacken. Klappt das nur im Film in Sekunden? Auch fremde Autoschlüssel gleicher Automarke öffnen die Tür nicht, aber zumindest nehmen mich andere Touris zur nächsten Rangerstation mit, so dass ich dort Hilfe organisieren kann. Die Rangerin ist sehr hilfsbereit und kümmert sich um alles notwendige. Nachdem wir auch Jan in die Rangerstation geholt haben, werden wir sogar mit grilled Cheese-Sandwiches versorgt. Innerhalb von 45 Minuten steht der Mechaniker vor der Tür. Der Truck donnert mit uns und lautem Getöse zu unserem Parkplatz. Er öffnet das Auto in 15 Minuten. Wir treffen uns anschließend alle noch mal in der Rangerstation, um die finanzielle Frage zu klären. Wir nehmen Kontakt mit dem CAA auf, der mit dem ADAC kooperiert. Nach einigem Hin und Her ist auch dies einvernehmlich geregelt und alle Formulare ausgefüllt. Der CAA zahlt, außerdem wechselt natürlich noch ein Schein als Tipp den Besitzer. Unvermutet schnell kommen wir so wieder auf unsere Route zurück.

Wir fahren weiter den Cabot Trail entlang, nehmen einige Lookoffs mit und vertreten uns auf kleineren Trails die Beine. Die Küste sieht ganz nett aus, die Strände zeichnet zimtfarbener Sand aus.

In Baddeck beziehen wir in einem B&B Quartier. Die B&B-Host gibt einige Restaurantempfehlungen ab, unter denen wir frei wählen können. Wir wählen ein Restaurant am
Yachthafen. Das All-you-can-eat-Dinner bringt unsere Mägen an ihr Fassungsvermögen. Der frisch geräucherte Lachs schmeckt allerdings köstlich.

Mittwoch 25.06.2003 Baddeck bis North Sydney

Um 8:00 wird das Frühstück serviert. Der Herr des Hauses zeigt sich trotz der tiefhängenden Wolken in Shorts. Das soll den Gästen wohl zeigen, dass die Sonne im Laufe des Tages gewinnen wird.

Kurz vor 9:00 verlassen wir das gastliche B&B, um uns nun in der Laundry häuslich niederzulassen. Die Schmutzwäsche ruft und wer weiß, wie die Laundrydichte auf Newfoundland ausfällt…. Gegen 10:30 haben wir alles wieder sauber verpackt. Wir schlendern noch ein wenig über den Bordwalk am Seeufer auf der Suche nach krabbelnden Lobstern. Jedoch ohne Erfolg.

Na ja, dann schauen wir uns eben im Bell-Museum die Anfänge des Telefons an. Der rührige Mann hat nicht nur das Telefon erfunden, sondern sich auch an Fluggeräten versucht und die technische Basis für das Schnellboot gelegt. Daneben kümmerte er sich um behinderte isolierte Menschen. Insbesondere Stumme hatten es ihm angetan, wohl auch und gerade weil seine eigene Ehefrau stumm war. Er lies nicht nach in seinem Bestreben ihnen die Kommunikation und damit die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Das gesamte Museum ist natürlich behindertengerecht gestaltet.

Langsam zeigt sich die Sonne. Wir fahren gegen Mittag langsam gen North Sydney, denn spätestens um 15:30 sollten wir uns am Fähranleger einfinden.

Am Salem Lake bereiten wir uns ein Picknick, das wir mit den Mücken um die Wette essen. D.h. die Mücken sind natürlich mehr an uns interessiert. Wir dürfen bald weitere Stiche zählen.

Kurz vor 15:00 finden wir uns an der Fährstation in North Sydney ein, bezahlen die Überfahrt (Can$ 340) und dürfen bald an Bord. Nachdem das Auto sicher geparkt ist, wir das nötigste für die Nacht zusammengesucht haben, suchen wir unsere reservierten Lager. Wir deponieren den Waschbeutel auf unseren Betten, dann streben wir den oberen Decks entgegen. Die Aussendecks laden bei Sonnenschein zum Sonnenbaden ein, aber gegen 17:30 verziehen sich dann doch alle hinein. Es wird grau und feucht.

Donnerstag 26.06.2003 Avalon Peninsula ~ Argentia bis Trepassey

Kurz nach 7:00 schallt der Weckruf durch das Lager. Überraschenderweise stehen wir recht ausgeschlafen auf. Nach Kaffee und Muffin dürfen wir bereits wieder ins Auto. Draußen erwartet uns der morgendliche Nebel, der über die Strasse wabbert.

Bis zum Cape St. Mary’s hüllt sich alles in undurchdringliches grau. Am ökologischen Zentrum schauen wie uns erst den Film an, bevor wir uns auf den Weg zum Vogelfelsen machen. Der Nebel lichtet sich hartnäckig nicht. Aber der Weg lohnt sich tatsächlich! Der Felsen mit 1000den von Gandern (das muss eine Albatrosart sein?!) bevölkert befindet sich fast in Greifnähe vom Festland. Die Vögel veranstalten ein Höllenspektakel. Ein ständiges Landen und Wegfliegen schwirrt um unsere Köpfe. Der Nebel hat auch sein Gutes, so sind wir fast allein auf Beobachtungsposten. Erst als wir zum Auto zurückwandern kommen uns neue Touris entgegen, die uns ungläubig fragen, ob man denn etwas sehen kann und der lange Weg überhaupt lohnt. Aber alle streben weiter dem Vogelfelsen entgegen.

Während unserer Weiterfahrt lichtet sich langsam der Nebel, die Sonne gewinnt! Irgendwo schlagen wir  uns in die Büsche, um uns ein zweites Frühstück im Picknickstil zu gönnen. So kommen unsere Faltstühle auch mal zum Einsatz. Jan bringt etwas Teer in den Kocher, was uns erst mal zu einer größeren Putzorgie des Kochers veranlasst, damit das empfindliche Teil gebrauchsfähig bleibt. Die Übung gelingt!

Unseren nächsten Stopp legen wir am Salmonier Nature Park ein. Der Park kostet keinen Eintritt, aber Spenden sieht man natürlich gerne entgegen. Über einen 3 km langen Bordwalk werden die geneigten Besucher durch den Park geführt, um die einheimische Flora und Fauna zu betrachten. Die Tiere haben großzügige Gehege mit reichlich Rückzugsfläche, so dass auch intensives Suchen nicht immer mit einem sichtbaren Erfolg belohnt wird. Insgesamt gefällt uns der Park jedoch sehr gut.

Anschließend kehren wir uns wieder gen Süden und fahren an hübscher Küste und netten Fischerdörfern vorbei. Die Strasse hält das eine oder andere tiefe Schlagloch bereit. Aufpassen ist da angesagt.

In Trepassey mieten wir uns in einem Motel ein, das auch über das einzige Restaurant des Ortes verfügt. Die Kneipe ist gut besucht und das Essen ganz ordentlich.

Freitag 27.06.2003 Avalon Peninsula ff. ~ Trepassey bis St. John’s

Wir lassen uns das Frühstück im Motel-Restaurant gut schmecken. So starten wir satt und zufrieden in den schwindenden Nebel.

Das Nebelhorn des Leuchtturms von Trepassey tutet alle 2 Minuten. Wir nehmen die Piste zum Leuchtturm, tauchen wieder in den Nebel ein und werden am Leuchtturm von einem Neufundländer an der Kette freundlich empfangen. Sonst scheint keiner da zu sein. Wir (also Jan) streicheln den Hund und machen die obligatorischen Fotos.

Wir nehmen die Fahrt gen Norden wieder auf. Die Landschaft wechselt von Tundra zu Wald. Kurz hinter Cappahayden sichten wir unseren ersten Eisberg (englisch iceberg!!) weit vor der Küste. Er versetzt uns trotzdem in helle Aufregung.

In Ferryland legen wir einen Sightseeingstopp ein, denn hier wurden alte Siedlungen der ersten Siedler um 1600 gefunden. Die Archäologen graben, sieben und pinseln eifrig. In den ausgestellten Funden konnten wir einen Apfelweinbembel identifizieren. Also Hessen waren wohl auch unter den Siedlern, die es über den großen Teich westwärts zog.

Weiter geht’s bis nach Bay Bull. Unterwegs entdecken wir einen weiteren Eisberg, dieser dümpelt küstennäher. Kaum in Bay Bull angekommen, rutschen wir just-in-time in die 14:00-Tour. Wir greifen schnell zu wärmenden Jacken und eilen aufs Schiff, das auch sofort ablegt.

Vor der Küste treffen wir zwei Humpback Wale, die ihre Fontäne, Rücken und Schwanzflosse präsentieren. Wenn man sich eingeguckt hat, kann sogar der Laie den sogenannten Footprint der Wale identifizieren. Vor der Witless Bay badet ein Eisberg, der aus jeder Perspektive sein Profil verändert. Mal meinen wir eine liegende Ente, dann wieder ein Schiff oder einen Wal darin zu sehen. Jan und ich sind zwischenzeitlich völlig durchnässt, denn wir standen am vordersten Punkt des Bootes auf dem Weg über das offene Meer zum Eisberg. Das Meer ist angeblich ganze 5°C kalt. Brrrrr! Unser Boot hält respektvoll Abstand von der Eismasse, denn wer weiß schon, was so ein Eisberg als nächstes im Sinn hat, z.B. wann er sich dreht oder ähnliches.

Puffin in vollem FlugAls nächstes suchen wir den vorgelagerten Brutfelsen der Puffins auf. Sie schwirren zu Hunderten um uns herum. Ihre Fluganmut beeindruckt wirklich immens, insbesondere der Startvorgang fasziniert den Betrachter. Aber schwimmen, tauchen und Fische fangen können sie wirklich exzellent.

Wir ziehen uns nun auch auf die obere Plattform des Bootes zurück, um etwas trocknen zu können. Zurück an Land gönnen wir uns zu allererst trockene Schuhe und Hosen und dann einen Imbiss auf einer Sonnenterrasse.

Wir fahren anschließend weiter bis St. John’s. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich wegen des Musikfestivals etwas schwierig, aber es gelingt schließlich doch. Wir landen in einem zentral gelegenen old fashioned Hotel. Ob der klaren Sicht begeben wir uns zum Sonnenuntergang auf den Signal Hill zum Cabot Tower. Blutrote Sonne auf der Stadtseite und abblasende Wale auf der Meerseite, wenn das kein mitreißendes Programm ist …

Mit leckerem Lachs und Lobster beschließen wir den Abend in einem netten hotelnahen französisch angehauchtem Restaurant.

Samstag 28.06.2003 St. John’s

Das Hotelfrühstück sieht wider Erwarten gut aus. Das Buffet gibt einiges her und draußen stehen Picknicktische in der Sonne. So kann ein Tag beginnen.

Wir beginnen den Tag mit Housekeeping, denn unsere salzigen Klamotten müssen in die Waschmaschine. Während des Waschvorgangs erkunden wir Downtown. Hübsche bunte Häuser säumen die Strassen. Als wir wieder in die Laundry zurückkehren, ist jede Maschine besetzt und im Wartebereich sitzen die Kinder auf den Fernseher glotzend. Wir packen unsere Wäsche in den Trockner um. Bald können wir sie wieder trocken und sauber ins Hotelzimmer legen, um dann das Sightseeing Programm aufzunehmen.

Uns zieht es noch mal auf Signal Hill. Bei super Sicht wandern wir rund um den Signal Hill – hinunter auf Augenhöhe des gegenüberliegenden Fort Amherst und dann wieder bergauf durch das alte Fischerviertel.

Nach einer Stärkung in Downtown fühlen wir uns für das Cape Spear gerüstet.

Wir verlassen St. John’s bei blauem Himmel und 26°C. Am Cape Spear erwartet uns Nebel mit 13°C. Nun wissen wir auch, warum das Nebelhorn noch immer tönt. Zum Glück liegen unsere Windjacken im Auto, so sind wir wenigstens gut ausgerüstet am östlichsten Punkt Nordamerikas. Sehen können wir leider nicht viel, selbst der Leuchtturm zeigt sich nur im Hamilton Look. Aber den alten Leuchtturm kann man in Originalausstattung besichtigen. Die scharfen Mausefallen zeugen noch von ständigen Bewohnern!

Heute ist kein Wal weit und breit zu entdecken. Das Nebelhorn tutet unentwegt obwohl ausschließlich blaue Wolken über der Stadt liegen.

Zurück führt uns unser Weg über Petty Harbour. Aber auch dort herrscht Waschküche, so dass von der vielgerühmten Filmkulisse nicht viel zu sehen ist. In Quidi Vidi, ebenfalls ein kleines Fischernest, hingegen scheint wieder die Sonne.

Zum Sundowner zieht es uns wieder auf den Signal Hill. Ausgerüstet mit Gin Tonic in der Thermoskanne genießen wir am Womens Lookout Panorama und Farbenspiel. Die kleinen Fliegen entdecken uns gleich, wir lassen uns den Platz trotzdem nicht vermiesen.

Bald knurrt der Magen. Wir finden ein süßes kleines Restaurant. Wir lassen Lachs und Crab Legs servieren, das schmeckt eigentlich immer wieder gut. In Downtown steigt eine riesige Fete mit Live-Musik. Entsprechend viele Menschen tummeln sich in den Gassen. Wir betrachten St. John’s noch mal von oben bei Nacht. Signal Hill hat es uns irgendwie angetan. Der ganze Nebel ist jetzt wie weggeblasen und auch die Nebelhörner schlafen ….

Sonntag 29.06.2003 St. John’s bis Dildo (origin unknown!), Conception und Trinity Bay

Wir frühstücken gemütlich drinnen! Es sieht noch etwas bewölkt aus. Das Auto ist anschließend schnell gepackt. Jetzt können wir auch schon in die kurze Hose springen, denn die Sonne hat gewonnen.

Wir besuchen das Commisariat House gegenüber unseres Hotels, das ganz im alten Stil eingerichtet ist und die betreuenden Mitarbeiter alte Kluften tragen. In Downtown begann zwischenzeitlich die Parade zum Memorial Day. Ihr wohnen wir eine gute Stunde bei bis wir fast verbrutzelt und nahe dem Sonnenstich sind. Wie mag das nur den Uniformträgern
gehen …

Pünktlich um 12:00 finden wir uns am Fluvarium ein. Hier wird das Leben im Fluss live gezeigt. Ganz nett und informativ, auch wenn wir uns etwas mehr davon versprochen hatten.

Wir verlassen St. John’s westwärts mit Ziel Conception Bay. Die Küstenstrasse windet sich entlang der Buchten durch Fischerorte und Hügel. Wir entdecken den einen oder anderen Eisberg. Einer hat sich derart in eine Bucht manövriert, dass er dort nur noch auf sein schmelzendes Ende warten kann.

Wir folgen der Küstenstrasse bis Carbonear, dann biegen wir links ab, queren die Halbinsel, um zur Trinity Bay zu gelangen. In Heart’s Content stossen wir wieder auf die Küstenstrasse, die entlang der Trinity Bay führt. In Heart’s Content besichtigen wir die erste Cable Station, die mit einer Menge Technik und geschichtlicher Darstellung equippt ist.

Wir folgen der Küste südwärts. In Heart’s Delight versuchen wir in einem B&B unterzukommen. Leider no vacancy. Aber die Inhaberin vermittelt uns nach Dildo (wie der Name wohl entstand?!?) ins Inn by the Bay, das ebenfalls direkt an der Bucht liegt. Abendessen gibt es im Inn nur auf Vorbestellung, deshalb wählen wir eine ganz „stilvolle“ Variante gegenüber der Tanke bei Frani’s. Zumindest müssen wir nicht hungrig ins Bett.

Der Sonnenuntergang über der Trinity Bay entschädigt jedoch für manches.

Montag 30.06.2003 Burin Peninsula

Das Frühstück wird bis 9:00 serviert, so finden wir uns um 8:45 ein. Der Himmel ist grau, die Temperaturen eher niedrig, so dass wir durchaus einen dünnen Flies vertragen können. Kurz bevor wir Dildo verlassen, muss ein Foto unter einem Dildo-Schild natürlich sein.

Je mehr wir uns der Burin Peninsula nähern, um so blauer klart der Himmel auf. Die Strecke die Peninsula hinunter haben wir völlig unterschätzt, so dass wir heute mehr oder weniger den ganzen Tag im Auto zubringen. Ein jugendliches Moose mitten auf der Strasse schreckt uns aus dem Fahrtrott auf, ehe es gemütlich im Wald verschwindet.

Der nördliche Teil zeichnet sich durch viel Wald aus, im Süden fällt die Landschaft deutlich karger mit reichlich Ponds aus. Im äußersten Süden sieht man nur noch karges Land. In Burin, einem alten Piratennest, legen wir einen längeren Stopp ein. Am Hafen zelebrieren wir ein leckeres Picknick mit Blick. Nur den James Cook Lookoff suchen wir vergebens. Insgesamt erscheint uns die Peninsula touristisch weniger erschlossen zu oder die Saison ist noch zu jung …

Am Spätnachmittag nisten wir uns in einem Motel am Highway der Peninsula ein. Gänsefamilie inklusive. Jan versucht am See sein Anglerglück, aber er löst nur Köder im Wasser auf.

Das Abendessen kommt vollständig aus der Friteuse, da können wir die Nachtcreme sparen.

Dienstag 1.07.2003 Bonavista Peninsula – Canada’s Day

Irgendwann fahren die Autos wieder durch unser Bett, d.h. die Nacht ist gelaufen. Gegen 8:30 stehen wir auf, draußen herrscht Waschküche.

Aber je mehr wir uns dem Trans Canada Highway (TCH) nähern, um so blauer lacht der Himmel. In Clarenville biegen wir auf die Bonavista Peninsula ein. Die eine oder andere Nebelbank wabbert noch über uns hinweg.

Trinity lohnt einen Besuch mit seinen gut erhaltenen und restaurierten alten Häusern. Die Bucht steckt voller bunter Pömpel (Schwimmer), an denen wohl Lobsterkäfige baden.

Der Wind hat die Kapspitze zwar gut im Griff, aber die Sonne gibt uns einen Spot am Leuchtturm. Der fotogene rot-weißgestreifte Leuchtturm ist liebevoll her- und eingerichtet. Das Horn geht laut seiner Bestimmung nach.

Auf dem gegenüberliegenden Felsen soll eine Kolonie Puffins wohnen. Der Truppenübungsplatz sieht auch ganz danach aus, aber sie sind alle unterwegs beim Fischen und kommen erst zum Sunset wieder heim. Solange werden wir nicht warten.

Bonavista steht ganz im Zeichen von John Cabot, der hier 1497 anlandete, und der darauffolgenden Kabeljau-Fischerei. In den 90er Jahren wurde der Kabeljaufischfang verboten, denn er war durch die Massenabfischerei zu sehr dezimiert worden. Seither darf sich der Bestand wieder regenerieren, nur die Fischerorte müssen umsatteln, was ihnen mehr oder weniger gut gelingt. Die Bonavista Premises wurden jedenfalls liebevoll hergerichtet. In den Premises wurden früher alle Geschäfte rund um den Kabeljau (engl. Cod) abge-wickelt, d.h. Fisch aufbereitet, getrocknet und gehandelt. Heute dürfen wir wegen des Canada Days überall kostenfrei rein. Nur am Hafen für die Bootskopie des Cabot-Klippers Matthew wollen sie Can$ 5,50 pro Person für die Besichtigung. Wir verzichten und verlassen Bonavista in südlicher Richtung.

Wir entdecken noch zwei kleinere Eisberge, dann zieht sich der Himmel endgültig zu und es beginnt zu regnen. In Lethbridge mieten wir eine Cabin. Sogar die Heizung funktioniert!! Jan bereitet leckere Pasta zu, die mit Rotwein auf den Tisch kommt. Mit Canasta beschließen wir den Abend.

Mittwoch 2.07.2003 Terra Nova NP

Der Morgen begrüßt uns bewölkt aber trocken und wieder wesentlich wärmer. Nach leckerem selbst zubereiteten Frühstück machen wir uns auf den Weg zum TCH und dem Terra Nova NP.

Der Terra Nova NP ist der östlichste Nationalpark Kanadas. Der TCH durchschneidet ihn vollständig. Gut 30% des Parks besteht aus Wasser – Meer, Flüsse, Seen. Im Maritime Interpretative Center entrichten wir unsere Eintrittsgebühr, erhalten eine Parkkarte und planen den Tag.

Wandern ist angesagt. Wir rüsten Füße und Daypack, dann marschieren wir zum Trailhead und auf den Trail. Kaum dort überfallen uns die Mücken gleich schwarmweise. Eine beißt Jan sogar in die Lippe, nun sieht er aus wie nach dem Catchen. Das schützende Repellent liegt natürlich im Auto!! Nach einer ¾ h kehren wir völlig entnervt wieder um. Nun denn, dann fahren wir eben die Lookoffs mit dem Auto ab. Kurz vor dem Parkausgang versuchen wir es noch mal mit einer Wanderung. Dieses Mal bleibt das Repellent handy. Sobald wir es Summen hören, schmieren wir uns ordentlich ein und siehe da, der gedeckte Tisch scheint nicht mehr so wohlriechend für Mücken zu sein. Sie halten Abstand. Wir haben jetzt weitestgehend Ruhe, so dass wir den Trail entspannt durchwandern können. Etwa auf Streckenmitte führt eine lange Treppe hinauf zu einem netten Lookoff. Einige Eisberge haben sich in die Fjorde des NPs verschwommen, dort warten sie jetzt auf ihr sicheres Ende.

Zurück auf dem TCH fahren wir bis Gander. Dort bleiben wir für die Nacht und frischen unsere Vorräte auf. Ansonsten ist in diesem Ort (immerhin 18.000 Einwohner) touristisch nichts geboten.

Donnerstag 3.07.2003 Twillinggate, Notre Dam Bay

Begleitet von hoher Bewölkung aber trocken verlassen wir Gander. Je mehr wir uns Twillinggate nähern desto blauer entwickelt sich der Himmel.

Auf Twillingate Island begrüßt uns strahlender Sonnenschein. Wir starten direkt zum Long Point Lighthouse durch. Dort erwartet uns zwar kein Nebel, aber auch kein Eisberg.

Wie enttäuschend. Der Leuchtturm befindet sich noch im Dienst und mit ihm ein Leuchtturmwärter, der uns den Turm besteigen lässt. Der Ausblick überzeugt. Der Leuchtturm gehört zu den wenigen Neufundlands, die noch manuell betrieben werden.

Wir vertreiben uns den Tag in Durell und Twillinggate, was bei dem schönen Sonnenschein auch ein Vergnügen ist. Jan versucht sich in einer Bucht mal wieder mit der Angel. Leider ohne Glück. So müssen wir unseren Fisch für das Abendessen wieder kaufen. Die bunten Häuschen, Holzstege und Boote geben eine tolle Kulisse ab. Nur das Wasser fehlt etwas – Ebbe!

Wir übernachten in einem Appartement, so dass wir mal selbst Fisch zubereiten können. Leider schließen beide Fischmärkte direkt vor unserer Nase – Punkt 17:00. Aber in einem Supermarkt werden wir fündig. Es gibt Lachs zum satt essen.

Zum Sunset stellen wir unsere Campingsessel in die Sonne vor das Haus. Mit einem Gin Tonic in der Hand genießen wir den Ausblick mit den letzten Sonnenstrahlen.

Freitag 4.07.2003 … unterwegs …

Wir schlafen etwas länger als gewöhnlich. Draußen sieht es grau aus und Regen ist angesagt. Vor uns liegt ein Autotag auf dem TCH gen Gros Morne NP. Gegen 11:00 verlassen wir Twillinggate … und siehe da, der Himmel lichtet sich.

In Boyd’s Cove legen wir einen Zwischenstopp ein und besuchen das Beothuk Interpretative Center. Hier kann die Ausgrabungsstätte der Beothuk Indianer besichtigt werden. Zur Ausgrabungsstätte führt ein kurzer Trail, für den Insektenrepellent empfohlen wird. Der Empfehlung folgen wir unverzüglich, so summt es in einigem Abstand um uns herum. Nach 1 ½ km Trail enden wir doch etwas enttäuscht, denn außer einer mit Nummern versehenen Wiese ist nichts zu entdecken. Nun denn, so hatten wir wenigstens einen kurzen Bewegungseinsatz für den heutigen Tag.

Wir kehren auf den TCH zurück und fahren weiter gen Osten. Auf dem TCH könnte man eigentlich fast einen Stock ins Lenkrad klemmen, Kurven und Gegenverkehr treten ungefähr gleich häufig auf.

Am frühen Nachmittag verlassen wir den TCH noch mal kurz für ein Picknick an einem See. Wir finden Sandstrand und eine Bank als Infrastruktur vor. Auf dem Kocher bräunen Cheese-Sandwiches. Uns schmeckt’s.

Gegen 18:00 checken wir im Berry Hill Campground mitten im Gros Morne NP ein. Wir stellen das Zelt auf und starten die Feldküche. Es gibt Pasta mit Käsesauce. Sehr lecker.

Das Lagerfeuer dient als Mückenschutzprogramm. Aufgrund der milden Außentemperatur bräuchten wir keinen Wärmespender.

Samstag 5.07.2003 Gros Morne NP

Blaue Wolken am Himmel. Das muss einfach der Tag für den höchsten Berg Neufundlands sein. Der Gros Morne Mountain erhebt sich immerhin 806 m über dem Meeresspiegel und liegt ja quasi direkt vor der Haustür. Eine Rangerin am Campground sagt mir, dass für heute nur Wolken aber kein Regen zu erwarten seien.

Also rüsten wir uns nach dem Frühstück entsprechend aus. Auf dem Parkplatz am Trailhead stehen bereits einige Autos. Der Himmel hat sich etwas mehr zugezogen, aber der Wind bleibt warm.

Der erste Teil des Weges verläuft leicht ansteigend durch den Wald über Bordwalks, Treppen, Stock und Stein. Kurz vor dem letzten großen Anstieg über ein Geröllfeld verändert sich die Vegetation schlagartig, alles wächst höchstens noch bis Kniehöhe.

Das Geröllfeld zieht sich ordentlich in die Länge und wird nach oben hin immer steiler. Ein kanadischer Vater mit seinem Sohn wandert nun mit uns. Der Sohn textet Jan zu. Der Vater ist froh, für seinen Sohn Gesellschaft gefunden zu haben, so ist er vom Wandern abgelenkt.

Fast oben angekommen, tauchen wir in die Wolken ein. Am Gipfel reicht die Sicht von Markierung zu Markierung und es bläst ein giftiger Wind. Da sind meine kurzen Hosen wirklich fehl am Platz. Bäume wachsen hier am Boden liegend und werden maximal 50 cm lang.

Das obligatorische Gipfelphoto darf natürlich nicht fehlen, dann begeben wir uns auf den Weg hinunter. Wir haben eine Gipfelüberschreitung vollzogen und gehen auf der anderen Seite hinunter. Bald treffen uns die ersten Tropfen. 10 Minuten später hat jemand die Dusche angedreht, es schüttet. Dann kommt auch noch ein Gewitter über uns.

Tropfnass erreichen wir nach 5 h den Parkplatz. Die Tour ist für 6 – 8 h für die 16 km ausgeschrieben. Bevor wir ins Auto einsteigen, ziehen wir uns vollständig aus und legen uns erst mal trocken.

Am Abend gönnen wir uns zwei super leckere und frische Lobster an der Seafront von
Rocky Harbour. Den restlichen Abend verbringen wir in einer Laundry, um unsere Klamotten zu trocknen.

Sonntag 6.07.2003 Gros Morne NP ff.

Das Zelt ist noch nass, aber frühstücken im Freien durchaus möglich. Jan zieht es für die nächsten zwei Nächte in eine feste Bleibe. So bauen wir ab und mieten uns in Rocky Harbour in einem Cottage ein.

Zwischenzeitlich blinzelt die Sonne, so dass wir gen Tablelands ziehen. Gros Morne Mountain zeigt sich für einige Minuten auch gänzlich unbedeckt – kurzzeitig.

Bis wir Tablelands erreichen, haben uns die Wolken wieder eingeholt. Es reicht nur für ein kurzes Stück auf dem Wanderweg, dann beginnt es zu tropfen. Wir fahren in die schwarze Wand, die wolkenbruchartig ihr Wasser auf die Erde entlässt bis Trout River. So ist weder in Trout River nach Green Gardens an Wandern oder auch nur aussteigen zu denken.

Das richtige Wetter für das Discovery Center bei Woody Point. Das Center ist sehr nett und informativ für alle Altersklassen eingerichtet.

Auf dem Rückweg nach Rocky Harbour zeigt sich sogar wieder eine blaue Wolke. Das gibt nette Wolkeneffekte.

Wir beziehen unser Cottage und beginnen mit dem Trocknen für Zelt und Wanderstiefel. Im ungenutzten 2. Schlafzimmer regeln wir die Heizung bis zum Anschlag hoch, um es als Trockenraum zu nutzen.

Montag 7.07.2003 Gros Morne NP fff.

Regen, grau, Regen, grau ……

Wir starten trotzdem gen Norden, nicht ohne unsere für 13:00 gebuchte Western Brook Bootstour auf 16:00 verschoben zu haben.

Wir verlassen kurzfristig den Nationalpark, um zum Arches Provincial Park zu gelangen. Dort wartet bereits die Sonne auf uns und am Horizont verspricht ein blauer Streifen längerfristige Besserung. Die Arches stehen direkt am Strand. Drei dekorative Bögen hat das Meer in einen Monolithen gefräst, durch die man einen direkten Zugang zum Meer hat. Diese Zugänge sind sozusagen, die Tunnels, die es gestatten trockenen Fußes vom Strand ans Meer zu gelangen. Man könnte hier glatt zum Steinsammler mutieren, denn sie sind glatt wie ein Kinderpopo und schillern in den tollsten Farben und Mustern.

In Shallow Bay genehmigen wir uns einen kurzen schnellen Imbiss, dann wird es Zeit für den Western Brook Pond. Kurz vor dem Parkplatz zum Pond steht ein Karibou am Wegesrand – alleine und noch völlig fluselig vom Fellwechsel. Im Hintergrund lassen sich noch Moose und weitere Karibous erahnen. Uns zieht es weiter zum Parkplatz, denn bis zum Ableger der Bootstour liegen 3 km Fußmarsch vor uns. Wir haben reichlich Zeit, so können wir Iris, Pitcher Plant und Moose am Wegesrand ausgiebig betrachten. Diese Strecke wird wohl der meistbegangenste Trail des Parks sein.

Die blaue Wolke begleitet uns auf dem Weg zurück in den Gros Morne NP. Am Broom Point besuchen wir ein liebevoll restauriertes Fischerhaus, das früher ein Outport war und ausschließlich per Boot zu erreichen. Das hat sich erst in den 60er-Jahren mit dem Bau der Strasse geändert. Der Ranger, der uns durch das Terrain führt, ist begeistert bei der Sache. Wir wissen jetzt auch wie man ein Fischernetz knüpft.

Das Boot wird recht voll. Die Schlucht baut sich mit schwarzen Wolken bedrohlich vor uns auf. Hübsche Wasserfälle und schroffe hohe Felswände bis zu 700 m hoch begleiten uns in den sich verengenden Pond. Mit ein wenig Phantasie kann man immer neue Figuren und Bilder in den Felsen entdecken. Nach 2 ½ h spuckt uns das Boot durchgefroren am Anleger wieder aus. Nun geht’s den bereits bekannten Weg 3 km zurück zum Auto.

Das Abendessen bereiten wir selbst. Den Halibut gab es am Morgen frisch auf dem Fischmarkt.

Im Ocean View Motel wird heute Abend Live Musik geboten – eine ziemlich wilde Mischung aus Folk, Polka und Shanty. Die Band macht einen guten Job. Gegen 1:30 gehen wir zufrieden und gut unterhalten ins Cottage zurück.

Dienstag 8.07.2003 … unterwegs bis Port-aux-Basque

Der Wecker klingelt etwas später als gewöhnlich – außerdem weckt uns die Sonne. Der Gros Morne Mountain zeigt sich zum Abschied in seiner ganzen Pracht.

Wir bewegen uns zum TCH West mit kurzem Stopp in Corner Brooks. Einige km vor Corner Brooks passieren wir das Skigebiet Marble Mountain, das man vom TCH aus betrachten kann. Den Vergleich mit heimischen Mittelgebirgen muss es nicht scheuen.

Gegen 16:00 erreichen wir Port-aux-Basque. Wir quartieren uns in einem B&B ein, das sich in einer ehemaligen Radiostation befindet. Der Ort sieht wider Erwarten ganz nett aus.

Der benachbarte Fischerort Margaree macht dagegen einen eher verschlafenen Eindruck.

Im B&B finden wir ein gesprächiges kanadisches Pärchen aus British Columbia. Unterbrochen durch das Abendessen (so lala im benachbarten Hotel) verbringen wir einen kommunikativen Abend.

Mittwoch 9.07.2003 Fähre Port-aux-Basque nach North Sydney

Der Regen prasselt. Wir schaffen um ein Haar sogar noch die 8:00-Fähre, so früh sind wir dran.

Dafür legt die 9:30-Fähre mit 1 h Verspätung ab! Nach etwa der Hälfte der Strecke spickt die Sonne hervor, so dass es sich an Deck an einem windgeschützten Platz gut aushalten lässt. Jan glüht bald wieder rot, denn an Sonnencreme haben wir natürlich nicht gedacht. Um 16:00 Atlantic Time legen wir in North Sydney an (Newfoundland hängt immer ½ h hinterher! Dies ist ein running joke.).

Wir fahren an der Südseite des Bras d’Or Lake bis St. Peter. Dort buchen wir uns in eine sehr komfortable Lodge ein, die direkt neben dem Verbindungskanal des Lakes zum Atlantik liegt.

Die Schleusenvorrichtung weist aufwändig auf jeder Seite jeweils zwei Tore auf, um die zwei Gewässer mit wechselnden Wasserspiegeln zueinander zu bringen.

Im Restaurant unserer Lodge gönnen wir uns zum Tagesabschluss mal wieder ausgezeichnete Lobster mit Knoblauch-Bärlauch-Butter. Der Koch ist französisch. Man merkt’s.

Der Sonnenuntergang entwickelt sich zu einer einzigen Augenweide. Rote Wolken am Himmel und auf dem spiegelglatten See. Wer da nicht zur Kamera greift ….

Donnerstag 10.07.2003 … unterwegs … St. Peter bis Truro

Nix als blaue Wolken am Himmel. Wir frühstücken gemütlich und starten dann gen Westen. Über den Canso Causeway kehren wir zurück auf das Festland.

An der Balmoral Mill legen wir eine längere Pause ein. Die Mühle stellt sich ganz in dunkelrot sehr photogen dar. Kurz nach unserer Besichtigungstour beginnt sie ihrer Berufung für ca. ½ h nachzugehen. Wenn alles in Bewegung ist, gibt die Mechanik und Akustik gleich mehr her. Picknick-Tische am Flussufer laden zum Verweilen ein. Wir nehmen das Angebot wahr und feuern den Kocher für Grilled Cheese Sandwiches an.

Gut gestärkt setzen wir unsere Fahrt nach Malagash und Josh’s Winery fort. Die Winery besticht durch professionelle Aufmachung. Die Winery-Tour haben wir gerade verpasst. Wir probieren einige Weine bis wir uns entscheiden. Den prämierten Eiswein lobt Jan sehr – für mich ist er mehr Bienenfutter. Einige nett verpackte Probierfläschchen nehmen wir als Drachenfutter (für unsere Eltern) mit.

Wir setzen unsere Fahrt bis Truro fort. Dort mieten wir uns in dem neben dem Tidal Bore Lookoff liegenden Motel ein und warten auf die Welle …

In den Gartenstühlen vor dem Motelzimmer lassen sich die nachmittäglichen Sonnenstrahlen bei einem Sundowner genießen. Das Restaurant ist gut besetzt. Alles wartet auf die für 22:00 angekündigte Flutwelle. Kurz vor 22:00 sammelt sich alles draußen am Lookoff, beobachtet den Fluss und wartet. Die Flutwelle kommt pünktlich `rein, wie wohl man sie Minuten vorher hört bevor man sie sieht. Die Welle ist ca. 30 cm hoch und deutlich zu sehen.

 

Freitag 11.07.2003 … unterwegs … Truro bis Digby

Das Frühstücksbuffet hat reichlich angerichtet. Wer da hungrig aufsteht, ist selbst schuld. Gegen 9:30 haben wir alles verstaut. Die nächste Tidal Bore wird gegen 10:30 erwartet, aber nicht von uns! Wir verlassen Truro in westlicher Richtung.

Wir durchfahren viel leichtgewelltes Farmland. Das Annapolis Valley ist das Hauptanbaugebiet Nova Scotias, hier reiht sich Feld an Feld. Kurz vor Kentville zweigen wir zum „The Lookoff“ ab. Vom Lookoff schaut man etwa 200 m über dem Tal stehend mit nettem Blick hinunter auf den Flickenteppich aus Feldern und Obstplantagen des Annapolis Valley.

In Kentville frischen wir unsere Vorräte auf, um dann bis Annapolis Royal durchzufahren. Inzwischen haben uns die schwarzen Wolken eingeholt. Es regnet Bindfäden. Annapolis Royal war die ehemalige Hauptstadt Nova Scotias, heute ist es Halifax. Die Strassen werden auch noch von herrschaftlichen Häusern gesäumt. Leider lädt die Witterung nicht gerade zu expansiven Spaziergängen ein. Das Fort Anne befindet sich mitten in der Stadt und zeigt wunderschöne Gobelins mit unterschiedlichen Stichtechniken und Applikationen. Ich bin ganz begeistert von den Teilen.

Auf dem Causeway steht ein Tidenkraftwerk – das Einzige seiner Art als Pilot. Die Ergebnisse sehen schon viel versprechend aus, nur die Technik ist noch zu teuer.

Weiter geht’s bis Digby. Wir mieten uns im Nachbardorf Smith’s Cove in einer Cabin ein. Eigentlich wollten wir ja zelten, aber Petrus scheint dagegen …

Samstag 12.07.2003 Digby und Umgebung, Digby Neck

Nebel hüllt den Zeigefinger – genannt Digby Neck – ein.

Bald zeigt sich sogar die Sonne, so dass wir uns gen Fingertip des Digby Neck auf den Weg machen.

Digby Neck besteht aus einer Halbinsel und 2 davor liegenden Inseln – Long Island und Brier Island. Dies entspricht genau den einzelnen Teilen eines Fingers. Jeweils eine kurze Fährenfahrt verbindet Festland – Long Island – Brier Island und vice versa. Nebelschwaden wabbern über die schmalen Landfinger. Wir fahren bis zum Ende durch. Die Fähren sind aufeinander abgestimmt, wenn man keine Aufenthalte vornimmt.

Über Brier Island sehen wir blaue Wolken. Die Ufer säumen Basaltsäulen. Die Lobsterkäfige füllen die Gärten, denn die Fangsaison neigt sich dem Ende.

So fahren wir zuerst nach Bear River. Dies ist ein kleines Künstlerdorf einige Kilometer landeinwärts am gleichnamigen Fluss gelegen. Die Häuser am Fluss stehen auf Stelzen, um für den Tidenhub gewappnet zu sein. Nette bunte Häuschen und Giftshops säumen den kleinen Dorfkern. In den Giftshops wird sogar hübsches kreatives Gift angeboten im Gegensatz zum sonst üblichen Ramsch. Wir nutzen die Gelegenheit und lassen uns verführen den Mitbringselbestand auf zu stocken.

Auf Long Island suchen wir den Abzweig zum Balanced Rock, aber erst die Hilfe des Visitor Centers weist uns den richtigen Weg, denn der Trail ist offiziell geschlossen, da es ein versicherungstechnisches Problem gibt. Der Trail befindet sich jedoch in einem 1a Zustand. Die Bordwalks und vor allem die endlosen Treppen und Plattformen sind auf Touris eingerichtet. Die letzte Plattform liegt etwa 10 m entfernt vom Balanced Rock und präsentiert so diese beeindruckende Landmarke und Gesteinsformation angemessen. Mit Sonne auf dem Stein wäre es sicher ein noch tolleres Motiv. Neben dem Trail wachsen Orchideen und Pitcher Plants.

Von Tiverton aus wollten wir noch eine weitere Waltour mit einem Zodiac unternehmen. Leider geht die Tour gerade vor unserer Nase ´raus – die letzte für heute! Nun ja, wir hatten ja bereits einige Walerlebnisse.

In Digby mieten wir uns in einem B&B an der Promenade mit Buchtblick ein. Die Fischerflotte liegt tief im Hafenbecken unterhalb des Kais, die nächste Flut wird sie wohl mindestens 10 m heben.

Digby ist bekannt für seine Jakobsmuscheln, deshalb gönnen wir uns reichlich davon zum Abendessen. Mmmmh, äußerst lecker! Die Muschelschalen gibt es als Souvenir dazu.

Sonntag 13.07.2003 Kejimkujik NP

10 Sonnen am Himmel. Wir erstehen 1 Pfund Jakobsmuscheln in Digby am Hafen, dann machen wir uns mit unserer Beute auf den Weg zum Kejimkujik NP.

Dieses Mal steht Petrus dem Zelten nicht im Wege. Um 12:00 steht das Zelt in unmittelbarer Nähe zum Seeufer aber dafür in einiger Entfernung zur Strasse.

Also wenden wir uns dem Mersey River zu, der friedlich vor sich hin meandert. Schilf, Seerosen, Frösche und Schildkröten sind im River zu entdecken. Frösche sitzen fast auf jedem Seerosenblatt und aus jeder Schilfecke quakt es. Um Schildkröten zu erspähen, muss man sich schon mehr anstrengen, die sind ganz schön scheu. Wir entdecken immerhin eine!

Über dem Kejimkujik Lake weht ein ordentlicher Wind. Nichtsdestotrotz mieten wir uns bei Jakes Landing ein 2er-Kanu. Jan steigt hinten ein, ich vorne. Jan treibt es hinaus auf den See, trotz meines Protestes und der Ansage der Vermietstation, dass bis zu 30 cm hohe Wellen auf dem See zu erwarten sind. Es kommt wie es kommen muss, wir schaffen es nicht aus dem ruhigen beschaulichen Mersey River hinaus auf den See zu paddeln – zumindest nicht mit mir als Besatzung bei soviel Wind und Wellengang.

 

Den Nachmittag vertreiben wir uns am Campground, wobei ich mir noch ein wenig die Füße vertrete bis zu einem nahezu zugewachsenen Lookoff. Auf dem Rückweg stellen sich mir Rehe in den Weg und am Wegesrand stehen Steinpilze, wenn man sich und seinen Pilzkenntnissen nur trauen würde ….

Jan empfängt mich mit dem obligatorischen abendlichen Gin Tonic. Die Vorbereitungen fürs Abendessen laufen bereits auf vollen Touren. Ein Stachelschwein streift unsere Campsite und entschwindet dann völlig unaufgeregt an der Lakeshore, wo es langsam vor sich hintrottet. Ich stelle es mit der Kamera einige zig Meter später. Ich kehre völlig aufgeregt zurück zu unserer Campsite – mein erstes lebendes Porcupine! Jan hat die Pasta mit den Scallops fast vor der Vollendung, ich brauche mich nur noch zu setzen und zu genießen. Pasta mit Scallops – das fällt wohl unter „engagierte Campingküche“! Uns schmeckt es jedenfalls ausgezeichnet und lassen keine Reste.

Jan frönt und nährt das Lagerfeuer, während ich mich zu unterhaltsamen Rangertalk um 21:30 begebe. Das heutige Thema handelt von der Selbstverteidigung von Skunk, Stachelschwein, Wespe und einer Pflanze. Der Ranger bringt seine Geschichten nett, unterhaltsam und informativ rüber.

Es ist nach wie vor recht warm – wir hatten heute 30°C!, das Lagerfeuer hilft gut gegen die Mücken. Im Zelt herrschen 26°C trotz ständigem Lüften. Das mag ja eine nette Nacht werden.

Montag 14.07.2003 Keji NP ff.

Erst gegen Morgen krabbele sogar ich in den Schlafsack. Jans Schlafsack ist durch nass geschwitzt. Die Sarongs wären die bessere Alternative gewesen.

Wieder erwartet uns ein herrlicher Tag, so dass Sonne und Wind gemeinsam als Trockner arbeiten.

Wir laufen am Big Dam Lake durch uralte Hemlock Tannen, die gut 50 m hoch sind. Zwischendurch darf Jan eine Badesession am Keji Lake einlegen, dann geht es weiter zum Gravton Lake. Dieser ehemalige Stausee wurde renaturiert, damit lässt sich gut beobachten, wie die Natur sich selbst hilft und wieder das Regiment übernimmt. Eine dünne wärmetankende Schlange auf dem Weg, die bei unserer Ankunft die Flucht ergreift, entlockt Jan einen spitzen Schrei. Sie flüchtet unter einen Stein, wo wir sie dann finden und aus sicherer Entfernung betrachten können.

Wir fahren die Schotterpiste noch ein Stück weiter durch den Wald. Ein Reh säumt den Weg. Gegen 16:30 trudeln wir wieder am Campground ein. Jan lädt mich bei den Duschen aus. Sauber und frisch trete ich den Rückweg zu unserer Campsite an. Unvermutet treffe ich auf ein Stachelschwein. Mit hochgestellten Stacheln mir den Hintern zuwendend zeigt es, was es von Störenfrieden hält. Jan versucht sein Anglerglück zwischenzeitlich am See, aber wiederum ohne Erfolg.

Um die gleiche Zeit wie gestern trottelt ein Stachelschwein (dasselbe??) mitten durch unsere Campsite, will aber nicht bei den Essensvorbereitungen helfen. Es schlendert gemächlich gen Strand und nimmt seinen Weg die Lakeshore entlang.

 

Bei uns gibt es Reste, aber die kreativ zubereitet. Das Lagerfeuer läuft, zu späterer Stunde beginnt es etwas zu tröpfeln, aber das dichte Blätterdach lässt nur einzelne Tropfen zu uns hinunter.

Dienstag 15.07.2003 Lunenburg

Es tröpfelt immer noch etwas. Das Zelt kommt nass in den Sack. Die übrigen Lebensmittel verteilen wir an Nachbarn. Wir räumen die Campsite und begeben uns auf den Weg zu unserer vorletzten Urlaubsstation. Lunenburg wir kommen.

Der Ort wurde 1995 in die Liste der UN World Heritage Sites aufgenommen. Auch dort werden wir ordentlich geduscht. Das nette bunte Örtlein steckt voller Touris, die die Giftshops verstopfen. Wir schlendern natürlich ebenfalls durch die Giftshops, um die Zahl unserer Mitbringsel zu erhöhen. Gegen Mittag kehren wir ein und genehmigen uns einen Snack.

Vom dem Hafen gegenüberliegenden Golfplatz genießen wir den hübschen Blick auf Bucht und Dorf, das seine deutsche Prägung nicht verleugnen kann. Das Birkenstock-Schild begrüßte uns bereits am Ortseingang, deutsche Namen an Shops und Sauerkraut komplettieren den Eindruck.

 

Einige Kilometer weiter die Küste entlang erreichen wir Blue Rocks, das fotogene Küstenimpressionen bereit hält.

Am Spätnachmittag nehmen wir Kurs auf Halifax, mieten uns dort in einem Motel ein und beginnen zu packen. Auch hier regnet es. Im hochgelobten Restaurant Upperdeck lassen wir uns kulinarisch lecker schlecker ganz maritimemäßig verwöhnen.

Mittwoch 16.07.2003 Halifax Abreise

Blauer Himmel begrüßt uns zum Abschied, um uns selbigen zu erschweren. Im leichten Stadtdress begeben wir auf Shopping-Tour.

Einen Supermarkt hatten wir bereits gestern (in Lunenburg) überfallen, um so wichtige Dinge wie Fertigpackungen Cesar Salad u.ä. einzukaufen. Nun steht noch Mountain Equipment auf der Tagesordnung. Unsere Urlaubskasse darf ordentlich bluten.

Auf der Dachterrasse der Brauerei gönnen wir uns einen letzten mittäglichen Imbiss gefolgt von Eis in der Tüte als Nachtisch an der Waterfront. Auf der Promenade tummeln sich Unmengen von Menschen ganz im Gegensatz zu unserem Urlaubsbeginn vor 4 Wochen.

Kurz vor 14:00 schlagen wir den Weg zum Flughafen ein. Die Gepäckkontrolleure kann Jan gerade so davon abhalten, unseren Seesack auseinander zu nehmen. Sie trauten einer ganz untern verstauten Thermoskanne nicht. Mitunter kann Jan ja wirklich sehr charmant sein!

Der Flug bis Boston verläuft sehr angenehm. In Boston vertreiben wir uns unseren
4-stündigen Aufenthalt in der Lufthansa Senator Lounge sehr stilvoll und nett umsorgt.

Bis Frankfurt bewegen wir uns zwischen Bordversorgung und Schlaf. Recht ausgeruht kommen wir im warmen Frankfurt gegen 10:30 mit unserem Gepäck an.

Fazit

Der Spruch des Urlaubs lautet:
„Hast Du den Autoschlüssel?“

  • Wir haben gut 5.600 km
    zurückgelegt.
  • Die Maritimes sind eher nicht
    überlaufen, trotzdem ist der Unterschied von Nova Scotia und Neufundland augenscheinlich.
    Neufundland ist urwüchsiger, ursprünglicher und dünner besiedelt. Selbst auf
    dem TCH nimmt man nur alle 100 km mal Gegenverkehr wahr.
  • Wir fanden tolle Natur und
    nette hilfsbereite Menschen.
  • Wale und Eisberge bei
    Wassertemperatur von 5°C sind echte Highlights.
  • Von superleckerem Lobster,
    Snow Crab, Lachs und anderem Fisch kann man locker

4 Wochen abwechselnd leben. Ein echter Angriff auf die Bikini-Figur.

  • Grilled Cheese Sandwiches als
    einfache Zwischenmahlzeit sind schnell zubereitet und lecker.
  • Wettermäßig haben wir es
    ebenfalls ganz gut getroffen, denn wir hatten es kühler und feuchter erwartet.
  • Wie immer sind 4 Wochen viel
    zu wenig Zeit, um alles zu sehen. Die Distanzen sind eben immens.
  • Da hilft nur nochmals wieder
    zu kommen, um die restlichen Teile der Maritimes – New Brunswick, Ontario und
    Labrador – zu bereisen.